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Portugal Oktober 2017 - Eine Reise in Wärme und Feuer

Aus einer Woche Portugal wollte ich einen Blogeintrag mit bebilderten Reisetipps zur Region Zentral-Portugal generieren.

 

Unerwartete und durchaus dramatische Ereignisse in der zweiten Hälfte des Urlaubs machten diesem Plan jedoch ein Stück weit einen Strich durch die Rechnung. Die feuerbedingten Ereignisse waren schlussendlich so ein prägender Teil des Urlaubs, dass es mir komisch vorgekommen wäre den Blogeintrag in seiner ursprünglich geplanten Art und Weise zu Papier zu bringen.

Schöne Fotos und ein paar Tipps für Zentral-Portugal werdet ihr im Folgenden natürlich trotzdem finden, aber das Ganze ist jetzt eher eine Art Reisetagebuch geworden.

Ich will euch mitnehmen auf eine Woche Urlaub voller Auf und Ab - so wie auch das Leben eben manchmal spielt...

Aber lest selbst...

 

Der Antrieb für eine Woche Herbst-Urlaub in Portugal

 

Als wir hier in Norddeutschland auch noch Mitte August 2017 (2 Wochen vor dem kalendarischen Herbstbeginn also!) ebenso sehnsüchtig wie vergebens auf eine erste Phase konstant guten Sommerwetters warteten, war es mal wieder soweit...

Den Abflug nach Asien am 31.12 noch nicht wirklich vor Augen, musste ein kleiner Zwischentrip raus aus der Tristesse her.

 

Nächstes Zeitfenster waren die Herbstferien (tja, Lehrerschicksal) und so machten wir uns an die Online-Recherche.

Mit Blick auf die anstehende dreimonatige Asien-Reise sollte die kurze Wetterflucht natürlich nicht allzu viel kosten.

Mission geglückt! - Flüge mit RyanAir von Bremen nach Porto und zurück, eine Woche ein völlig ausreichender Kleinwagen als Mietwagen und ein wunderschön gelegenes Ferienhäuschen via Airbnb - alles zusammen für gerade einmal 400 Euro! Gebucht!

Wie schon im Vorjahr sollte uns Portugal den klimatischen Arsch retten oder etwas netter formuliert den von einem bescheidenen Sommer geschundenen Seelen etwas Balsam bieten und den gar nicht gut gefüllten Akkus vor Herbst und Winter noch einmal eine Power-Ladung geben.

Was 2016 in Lissabon und an der Algarve vortrefflich funktionierte, sollte doch auch 2017 in Porto und Zentral-Portugal zu realisieren sein...

Und soviel kann ich schon an dieser Stelle verraten - Sonne tanken in Portugal im Oktober... - das hat schon im zweiten Jahr in Folge sehr gut geklappt. Temperaturen von bis zu 30 Grad und fast durchgängig Sonnenschein bescherten uns ein fast schon hochsommerliches Intermezzo im Oktober. Einziger Unterschied zum Algarve-Urlaub im Vorjahr war, dass das Meer keine Badetemperatur mehr hatte. Aber davon waren wir ohnehin ausgegangen.

 

 

Jeder Urlaub beginnt zwangsläufig mit der Anreise und damit häufig mit einem Flug und der anschließenden Anmietung eines Mietautos.

In unserem Falle mit einem RyanAir-Flug von Bremen nach Porto und einem über billiger-mietwagen per DER-TOUR-Voucher reservierten Mietwagen des örtlichen Anbieters Centauro.

Ja, und schon an dieser Stelle begann das Auf und Ab...

Daumen hoch für RyanAir!

 

Jeder Urlaub beginnt mit der Anreise und damit häufig mit einem Flug.

Unser Urlaub begann, wie oben schon erwähnt, mit einem RyanAir-Flug von Bremen nach Porto. Für mich eine gute Gelegenheit um mal ein Lanze für RyanAir zu brechen...

 

Die Billig-Airline RyanAir kommt in aller Regel schlecht weg - miese Presse ist an der Tagesordnung, es gibt viele Vorurteile und wenn man sich so umhört anscheinend ein ganzes Füllhorn schlechter Erfahrungen Reisender.

Ich weiß nicht ob wir in diesem Zusammenhang einfach vom Glück geküsst sind, aber wir haben inzwischen bestimmt rund zwanzig Mal einen RyanAir-Flieger bestiegen und haben nicht eine schlechte Erfahrung gemacht.

Die Buchung ist keinen Deut schlechter als bei anderen Airlines und man wird dabei nicht mehr als bei den meisten anderen Airlines zum Abschluss von Zusatzfeatures aufgefordert.

Das Boarding verlief stets hervorragend und geordneter als bei Easy Jet, Condor und Co..

An Bord muss man für Essen und Trinken extra bezahlen, aber... - so what!? - Das muss man längst auch bei Condor und je nach Buchungsklasse selbst bei Lufthansa-Tochter Eurowings!

Ja, auf dem Flug gehen die Stewardessen gefühlt unentwegt mit einem Verkaufswagen durch die Reihen und versuchen Kosmetika, Selfie-Stick, Rubbel-Lose und ähnliches unter die Leute zu bringen. Aber das ist bei vielen anderen Airlines nicht anders und wir sitzen in aller Regel mit Kopfhörern da, schauen einen Film und bekommen gar nicht viel mit von dem Verkaufsrummel.

Und während wir insbesondere mit Easy Jet fast schon regelmäßig Verspätungen an der Backe hatten, sind wir mit RyanAir stets pünktlich, oft sogar überpünktlich gelandet!

So auch diesmal... - Daumen hoch also für RyanAir!

 

Daumen runter für die Autovermietung!

 

Da Centauro zu den vielen Autovermietern gehört, die keinen Schalter direkt am Flughafen haben und bei denen man dann per Shuttlebus zur Anmietstation gebracht wird, enthielten sowohl die E-Mail von billiger-mietwagen als auch der Voucher von DER-TOUR Anweisungen für die Abholung.

Klare Ansage: "Gehen Sie zum Meeting Point in der Ankunftshalle. Dort werden Sie von einem Mitarbeiter der Autovermietung abgeholt."

 

Natürlich haben wir genau das getan - der Meeting Point befand sich gut gekennzeichnet ziemlich weit links in der Ankunftshalle. Dass dort niemand auf uns wartete, wunderte uns zunächst nicht, denn dank überpünktlicher Ankunft, Reisen nur mit Handgepäck und kurzen Wegen auf dem Flughafen in Porto waren wir vor der vereinbarten Zeit am Meeting Point.

Aber beim (vergeblichen) Warten kommt alsbald dann doch stets unweigerlich der Punkt, an dem Zweifel aufkommen.

Ich wende in solchen Fälle gerne das akademische Viertel an (hatte ich zu Studienzeiten ja selbst allzu gerne mal ausgenutzt...) und übe mich zumindest für 15 Minuten in Geduld.

 

Im Falle der Mietwagen-Anmietung in Porto waren es durch unser zu frühes Ankommen immerhin schon 30 Minuten Wartezeit als die generös gewährten 15 Minuten akademisches Viertel abgelaufen waren.

Ein erster Klärungsversuch führte mich zu einer Frau an einem Verkaufsschalter nahe des Meeting Points, die mir bestätigte, dass wir hier richtig seien. Na ja, die Frau sitzt hier jeden Tag - die wird ja täglich beobachten wie Centauro-Kunden am Meeting Point abgeholt werden...

Tja, wohl doch nicht...

 

Nach weiteren 15 Minuten Wartezeit riefen wir bei der auf dem Voucher ausgewiesenen Telefonnummer von Centauro an. Sinniger Weise handelte es sich um die Telefonnummer der Centauro-Zentrale in Lissabon, was zur Folge hatte, dass ich dem Mitarbeiter am Telefon die Situation erklärte, er mir daraufhin mitteilte, dass er sich mit der Mietstation in Porto in Verbindung setzen und mich dann wieder anrufen würde. Es hieß also wieder... - richtig geraten!... - Wartezeit!

Immerhin - der Rückruf erfolgte schnell, die Mitteilung frustrierte aber irgendwie: ich wurde gefragt wer uns denn bitte schön den Floh mit dem Meeting Point ins Ohr gesetzt habe - in Porto würden die Centauro-Mitarbeiter immer schon am Ausgang in der Nähe der anderen Autovermietungen ganz am anderen Ende der Ankunftshalle warten!

Na, vielen Dank DERTOUR und billiger-mietwagen! Tolle Infos!

 

Nun ist die Ankunftshalle in Porto zum Glück nicht riesig und so wurden wir 5 weitere Minuten später fündig und wurden freundlich begrüßt.

Der Shuttlebus indes war "natürlich" gerade wieder weg...

Mit alles in allem gut einer Stunde Verspätung kamen wir dann endlich in der Vermietstation an und sehr kurze Schlangen an den Schaltern nährten die Hoffnung nun schnell vom Hof rollen zu können.

Wie sagt man so schön!? - Mal wieder die Rechnung ohne den Wirt gemacht!...

 

Ich war sogar tatsächlich recht schnell an der Reihe, aber dann wurde es kompliziert und ärgerlich.

Insgesamt fünfmal griff sich der Mitarbeiter einen Autoschlüssel, schaute auf die Plakette daran und tippte irgendwelche Informationen von dieser Plakette in den Computer ein, nur um anschließend den Kopf zu schütteln und den Schlüssel wieder wegzulegen.

Hm, für mich ein guter Zeitpunkt um mich erstmals zur weiter hinten mit den Koffern wartenden Stephie umzudrehen und ihr mit einem Achselzucken und verdrehten Augen zu signalisieren, dass es noch dauern könne.

Bei der "Verarbeitung" von Schlüssel 6 wurde mir dann quasi eine Erklärung für die Schlüsselarie nachgeliefert - der Mitarbeiter erklärte mir, dass er kein Fahrzeug der gebuchten Kategorie (Fiat 500 oder ähnlich) da habe. Stattdessen würde er mir nun einen Fiat Tipo mitgeben und damit ein kleines, kostenloses Upgrade. 

Na, sollte mir recht sein... Wenigstens etwas (obwohl ich ja ehrlich gesagt einen Fiat 500 schicker finde)...

 

Laut Voucher galt für meine Anmietung die Volltank-Regelung - also einen vollgetankten Wagen abholen und den Wagen auch wieder vollgetankt abgeben.

Bei allen anderen Regelungen gewinnt immer die Autovermietung - wenn man ein Auto leer wieder abgeben soll, dann gibt man das Auto garantiert nicht gänzlich leer ab und die Autovermietung freut sich; und auch wenn man das Auto z.B. halbvoll übernimmt und entsprechend auch wieder halbvoll abgeben soll, gewinnt ebenfalls immer die Autovermietung, denn es ist a) nicht leicht bei einem fremden Auto einzuschätzen wann der Tank halbvoll ist und b) wird man deshalb im Zweifelsfall lieber etwas mehr tanken als nötig, denn mit zu wenig im Tank abgeben wird ja schnell teuer; dann berechnen die Autovermietungen ja gerne Phantasie-Preise von 3 Euro pro Liter oder mehr.

In unserem Falle kommt als c) noch eine schlechte Erfahrung jüngst auf Teneriffa hinzu:

Der dort angemietete Wagen musste nach einigen Tagen getauscht werden (u.a. funktionierte die Funk-Fernbedienung des Autoschlüssels nicht mehr - wir konnten den Wagen noch mit einem manuellen Schlüssel öffnen, die Kofferraumklappe jedoch blieb ohne wenn und aber verschlossen).

Der Wagentausch erwies sich als äußerst nervig und satt zeitaufwendig und deshalb forderte ich ziemlich angefressen ein kostenloses Upgrade als kleine Geste.

Da angeblich kein Upgrade-Fahrzeug zur Verfügung stand, gab man uns ein Auto mit einem zu 75 % gefüllten Tank und schenkte uns damit in der Theorie eine halbe Tankfüllung, da das von uns abgegebene Fahrzeug nur noch 25 % Tankinhalt hatte. 

Na ja, klang halbwegs akzeptabel...

Nur hatte das neue Fahrzeug eine völlig schrottige Tankanzeige - gut 300 km lang wurde ein voller Tank angezeigt, ab dann ging es alle 50 km (!!!) um 25 % abwärts, d.h. von 75 % Tankfüllung auf 25 % Tankfüllung - dafür genügten gerade einmal 100 km! Unterm Strich hatte man uns also so in etwa 5 Liter Tankinhalt geschenkt - was für eine große Geste...

 

Anyway - zurück zu Centauro in Porto...

Aus den eben geschilderten 3 Gründen hatten wir sehr bewusst diesmal die Volltank-Regelung gewählt und auf dem Voucher war das auch sehr klar so ausgewiesen.

Ich staunte nicht schlecht als ich mehr zufällig beobachtete wie der Mitarbeiter auf dem Mietvertrag handschriftlich eintrug, dass der Tank nur zu 3/4 gefüllt sei!

Ich wies auf die Volltank-Regelung des Voucher hin, aber er erwiderte, dass eine solche Volltank-Regelung nicht üblich bei Centauro sei und ohnehin... - ob ich nun ein vollgetanktes Auto wieder vollgetankt abgeben würde oder ein zu 3/4 betanktes Auto mit eben diesen 3/4... - das sei doch völlig egal...

Ich bestand jedoch weiter auf ein vollgetanktes Auto, was natürlich erneut Zeit in Anspruch nahm.

Mit einigem Zeitverlust und reichlich Nachdruck erhielten wir am Ende ohne Aufpreis einen vollgetankten Ford Focus.

Immerhin...

Alles in allem aber hatten uns die Wirrungen bei der Ankunft (fast 60 min.), die Schlüsselarie, die Diskussion um die Tankregelung und die Suche nach einem alternativen Fahrzeug (mehr als 30 min.) irgendwo zwischen 1 1/2 Stunden und 2 Stunden Zeit geraubt...

 

Durchaus wertvolle Zeit im Übrigen, denn anstatt zumindest noch in der Dämmerung, kamen wir nun in rabenschwarzer Nacht am Ferienhaus an.

Einem Ferienhaus mitten im Nirgendwo der Berge Zentral-Portugals - bei Ankunft konnte man wirklich nicht einmal die eigene Hand vor Augen sehen...

 

 

Das Ferienhaus und die direkte Umgebung

 

Durch die Ankunft in rabenschwarzer Nacht war das Ferienhaus bis zum nächsten Morgen noch ein wenig eine Wundertüte...

 

Na, nicht das Ferienhaus an sich (innen gab es natürlich Licht (obwohl... - wenige Tage später waren Strom und damit Licht ja keine Selbstverständlichkeit mehr) und wir konnten uns einen ersten Eindruck verschaffen),

aber das Drumherum - das Ferienhaus von außen und seine unmittelbare Umgebung...

 

Und so war das morgendliche Aufstehen ein echter und schöner "Ah-Moment"!

Wenn man aus dem Schlafzimmer tritt, geht der Blick sofort auf die sehr breite Fensterfront des Wohnzimmers und damit hinaus in den Garten, hinaus in wunderschöne, unberührte Natur mit einem Blick in die Ferne, der abgesehen von ein paar Windrädern am Horizont, keinen Hinweis auf Zivilisation gibt.

Gut geschlafen in dem bequemen Bett (ich zumindest) und dann dieser Ausblick als erster Eindruck des Tages... - der Stress rund um die Autoanmietung war verflogen und wir von einer Sekunde auf die andere in der erhofften Idylle angekommen...

Ein strahlend blauer Himmel tat ein übriges...

 

Unter der Rubrik "Sleep" findet ihr wie immer eine etwas ausführlichere Rezension des Ferienhauses und auch einen Link zur Anmietung bei Airbnb!

 

Trotzdem auch hier ein paar Zeilen und Fotos:

 

Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Das Ferienhaus ist ein Anbau ans Haus der Vermieter, bietet aber trotzdem Ruhe und Abgeschiedenheit. Die Beiden sind sehr nett und sehr hilfsbereit, aber trotzdem nicht irgendwie unangenehm allgegenwärtig - wer Privatsphäre wünscht bekommt auch totale Privatsphäre.

Umgeben ist das Ganze, wie schon geschrieben, von nichts als Natur und Ruhe. Selbst auf die Straße zum Haus verirren sich am Tag vermutlich nicht einmal ein halbes Dutzend Autos.

Das Haus selbst ist einfach, aber liebevoll eingerichtet und bietet mit Ausnahme von TV und Internet alle Annehmlichkeiten des modernen Lebens - man kann kochen, backen, Lebensmittel in den Kühlschrank stellen, hat eine Toilette mit Spülung, in die man auch das Toilettenpapier werfen darf, eine große Dusche mit Warmwasser und gutem Wasserdruck u.s.w..

 

Der Garten lädt zum Relaxen ein und die nächste Umgebung zum Spazieren und Wandern.  Im nahe gelegenen Fluss kann man im Sommerhalbjahr prima baden und wird dabei wohl oft und gerne von der Schäferhündin der Beiden begleitet.

Aber zum Fluss kommen wir gleich noch...

Verlaufen auf dem Weg zum Badeplatz - oder wie aus einem Spaziergang eine kleine Wanderung wurde

 

Da das Ferienhaus ein wenig im Nirgendwo der Berge liegt, war uns klar, dass wir einige Tage mit dem Auto ganz gute Strecken zurücklegen würden um an unsere Wunsch-Ausflugsziele zu gelangen.

Die etwas anstrengende Anfahrt vom Vorabend noch in den Knochen entschieden wir uns deshalb am ersten Urlaubstag nach dem Frühstück nicht gleich wieder ins Auto zu steigen, sondern erst einmal die nächste Umgebung des Ferienhauses ein wenig per pedes zu erkunden.

 

Eine von Lynn oder Scott handgemalte Karte kam uns da gerade recht.

Auf der Karte war ein kleiner Rundweg eingezeichnet, von dem wiederum auch ein Weg hinunter zum Badeplatz abzweigte.

Kurz angeschaut, eingeprägt und los ging es...

Wer unseren Portugal Vlog #1 gesehen hat (Link hier unter der Rubrik Vlogs), der weiß, dass aus dem angedachten Spaziergang dann doch eher eine kleine Wanderung wurde. Unfreiwillig - versteht sich!

Why!?... - Nun, irgendwann, d.h. nach einer halben Stunde oder so, standen wir noch ziemlich weit oben auf einem Weg und konnten unten den sich wunderschön dahin schlängelnden Fluss sehen. Eine Impression, die uns kurzzeitig an unseren Fähigkeiten in Sachen Karten lesen und Orientierungssinn zweifeln ließ... Was soll das erst werden, wenn wir demnächst irgendwo im Dschungel umher laufen!?... Wir waren losgelaufen in der Erwartung nach ca. 15 Minuten an einem See zu stehen und nun standen wir nach 30 Minuten noch recht weit entfernt von einem Fluss!?!?...

Zu unserer Entlastung kann ich berichten, dass die Karte auch ein wenig missverständlich war, denn auf der Karte ist sowohl von "River" als auch von "Lake" die Rede - gemeint ist aber ein und dasselbe Gewässer!

Die Situation war also immerhin mitnichten nur unserer Schusseligkeit geschuldet! Puh, noch einmal die Kurve bekommen, dem Alter ist doch noch kein Tribut in Sachen geistiger Fähigkeiten zu zollen...

An der Situation hat das freilich trotzdem erst einmal nichts geändert... - Stephie hatte (wie eigentlich fast immer in der ersten Nacht) richtig schlecht geschlafen, wir hatten nichts zu trinken mitgenommen, ich locker Flip-Flops an und da wir später am Tag eigentlich noch eine längere Tour (inkl. Wanderung) eingeplant hatten, sollte dieser Morgen eigentlich wirklich nur mit einem Spaziergang starten und nicht einer Wanderung...

Alsbald entschieden wir uns deshalb für Rückzug - am Besten auf dem schnellsten Wege.

Das Navi wurde zur Hilfe genommen und führte uns an einer Stelle auf einen Spießrutenlauf, den wir in Ermangelung von Zeit trotzdem in Angriff nahmen - mit kurzen Hosen und in meinem Falle eben Flip-Flops stapften wir durch mannshohe Büsche voller Dornen... - was für ein Spaß... Und natürlich ohne erwünschtes Ergebnis - wir wären definitiv schneller gewesen, wenn wir einfach den Weg zurückgelaufen wären, den wir gekommen waren!

Na ja, im Nachhinein fühlte sich das Ganze trotzdem wie ein kleines erstes Abenteuer an und die Schönheit der Umgebung erschloss sich uns natürlich trotzdem:

Aveiro und Costa Nova - manch Reiseführer-Assoziation erschließt sich vor Ort nicht wirklich...

 

Die so nicht geplante Wanderung nach dem Frühstück hatte uns einiges an Zeit und auch ein wenig Kraft gekostet, trotzdem sind wir dann am späten Vormittag wie geplant in Richtung Aveiro gefahren.

 

Wir wollten uns die Stadt Aveiro selbst anschauen, ein wenig am Meer sitzen, uns die berühmten bunt gestreiften Fischerhäuser in Costa Nova anschauen und abschließend mit der Autofähre zum vorgelagerten Naturpark "Reserva Natural das Dunas de São Jacinto" fahren um dort ein wenig zu wandern.

 

Die Wanderung in den Dünen von São Jacinto fiel saisonbedingt aus.

Wir hatten uns zugegebenermaßen vorher nicht über die Abfahrtzeiten der Fähre informiert und waren einfach mal davon ausgegangen, dass sie auch im Oktober doch wohl zumindest noch stündlich fahren würde. 

Leider fuhr sie nur noch alle zwei Stunden und war leider noch nicht allzu lange zuvor abgefahren als wir am Anleger ankamen. Auf die nächste Fähre hätten wir sehr lange warten müssen und vor allem hätten wir dann im Naturpark nicht einmal mehr 2 Stunden bis zur letzten Rückfahrt gehabt. Tja, schade - beim nächsten Mal...

 

Aber zurück zum Anfang - unser erster Anlaufpunkt an diesem Tag war die Stadt Aveiro, die in fast jedem Reiseführer den Beinamen "Venedig Portugals" trägt.

Ein Beiname, der die Erwartungen natürlich gewaltig hochschraubt...

Und wie das so ist mit geschürten allzu hohen Erwartungen - sie werden oft schnell und schwer enttäuscht!

 

Wer schon einmal in Venedig war, der wird allen Touristenmassen zum Trotz meines Erachtens ohne Frage verzaubert worden sein von den unzähligen Brücken, den ebenso zahlreichen großen und kleinen Kanälen, dem verwinkelten Wirrwarr aus Gassen und Plätzen, dem Umstand, dass hier quasi alles auf dem Wasserweg erledigt wird (öffentlicher Nahverkehr, Müllabfuhr etc.), dem geschichtsträchtigen, morbiden Charme einer ehrwürdigen, aber langsam zerfallenden Stadt. Venedig ist ein einzigartiger Ort.

 

Na ja, allzu naiv sind wir natürlich nicht... - wir sind nun nicht nach Aveiro, dem Venedig Portugals, gefahren und haben auch nur annähernd wirklich mit Venedig vergleichbares erwartet, aber etwas mehr Flair hätte es schon gerne sein können.

Es ist nicht so, dass Aveiro keinen Tagesausflug wert wäre, es gibt einige nette alte Gebäude und zum Zeitpunkt unseres Besuchs war die Fußgängerzone zum Ort am Meer passend recht kreativ mit Fischernetzen und darin hängenden Stoff-Fischen dekoriert. Und die Stromkästen in der Innenstadt sind schöne Street Art-Motive.

Aber Venedig!?... Es gibt einen Fluss und auf diesem Fluss und seinen Kanälen kann man sich mit alten, ganz hübsch angemalten Booten umher schippern lassen, aber mit der Ehrwürdigkeit, der Zerbrechlickeit, der Einzigartigkeit von Venedig hat die Kulisse an der es mit den Booten vorbei geht rein gar nichts zu tun. Das Ganze erinnert eher an eine stinknormale Stadtrundfahrt per Boot wie in unzähligen Städten als an eine Gondelfahrt in Venedig.

10 Euro pro Person selbst in der Nachsaison sind dafür unseres Erachtens auch eindeutig zu viel.

 

Schon weit schöner zeigen sich die der Stadt vorgelagerten Strände.

Aveiro ist nicht groß und nicht überlaufen - mit dem Auto waren wir in weniger als 10 min. von der Innenstadt aus am Strand, wo es zudem zahlreiche und kostenlose Parkplätze gibt.

Der Strand selbst hat schönen Sand, ist breit, kilometerlang, umgeben von schönen Dünen und bietet gute Wellen für Surfer. Zum Baden freilich war das Meer hier im Norden Portugals im Oktober schon zu kalt. Aber das war uns ohnehin klar.

 

Ein berühmtes Fotomotiv der Region Aveiro sind die bunt gestreiften Fischerhäuser des kleinen Küstenortes Costa Nova.

Wie das so ist mit berühmten Fotomotiven... - selbst jetzt in der Nachsaison des Oktobers war es alles andere als leicht die Häuser ohne davor posende Touristen zu fotografieren.

Na ja, ist halt so...

Was wir nicht wirklich nachvollziehen konnten - so viele Touristen scheuten sich nicht sich fürs kleine Shooting auf die Terrasse der kleinen Häuschen zu stellen. Ich meine, die Häuser sind bewohnt...

Ich wäre als Bewohner nicht wirklich begeistert, wenn Tag für Tag Dutzende, wenn nicht Hunderte, ohne Scheu auf meine Terrasse und damit direkt vor meine Haustüre latschen würden...

 

Alles in allem war der erste Tag nett. Wider Erwarten war die ungeplante Wanderung in der unmittelbaren Umgebung des Ferienhauses aber fast schon das Highlight des Tages...

Monsanto - ein Must See! (und auf dem Weg zumindest einen Abstecher wert: Idanha-a-Velha und Castelo Branco)

 

Monsanto ist ein Bergdorf nahe der Grenze zu Spanien. Schon im 6. Jahrhundert wurde dieser eigentlich unwirtliche Flecken Erde besiedelt. Bis heute sind die Häuser zwischen, auf und unter riesigen Steinen und Felsen platziert. Wenn man den Reiseführern trauen darf, wurde hier niemals auch nur einer der Steingiganten abgetragen. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Monsanto einst als das "portugiesischste Dorf" Portugals prämiert und bis heute widerstreben die Einwohner jeder allzu sichtbaren Modernisierung. Und so mutet Monsanto wirklich mittelalterlich an, was durch die über dem Dorf liegende weitläufige Schlossruine noch verstärkt wird.

 

Tja, so schnell kann es gehen...

Am ersten Tag wurden wir vom "Venedig Portugals" doch ein wenig enttäuscht, aber schon am zweiten Tag hielt ein anderer Ort voll und ganz was die Reiseführer vollmundig versprechen.

Das altehrwürdige Bergdorf Monsanto entspricht den Reiseführer-Beschreibungen und ist ein Must see!

Also, zumindest in der Nebensaison... Wir können es ja nicht wirklich beurteilen, aber es ist gut vorstellbar, dass der Charme des Dörfchens im Hochsommer fast völlig verloren geht, wenn sich plötzlich Touristen zu Hunderten durch die engen Gassen 

drängen.

Na, wir waren im Oktober und recht früh am Vormittag dort und so war die Menschenmenge überschaubar. Man konnte in Ruhe seine Fotos machen, den Charme und die Stille des abgelegenen Ortes erleben und entspannt auf den Mauern der Ruine herum klettern.

Dorf und Ruine hatten so eine bezaubernde, ein wenig mystische, in der Zeit verlorene Aura und wir kamen aus dem Schauen und dem Fotografieren gar nicht mehr raus...

An dieser Stelle muss man einfach mal Fotos sprechen lassen: 

Im weiteren Verlauf des Tages haben wir auf dem langen Weg zurück zum Ferienhaus noch zwei Zwischenstopps eingelegt - in Idanha-a-Velha und Castelo Branco.

 

Idanha-a-Velha ist ein historisches Dorf nahe Monsanto, dass jüngst (2013) mit Monsanto zu einer Gemeinde zusammengefasst wurde.

In Verbindung mit Monsanto ist Idanha-a-Velha auf jeden Fall einen Abstecher wert, für ein alleiniges Ziel gibt es für unseren Geschmack zu wenig her.

Na ja, über Geschmack lässt sich ja vortrefflich streiten - historische Gebäude oder Ausgrabungsstätten nehmen wir auf Reisen auch mal nebenbei mit, aber wirklich fasziniert sind wir nicht von ihnen. Selbst in Rom dachte ich seinerzeit irgendwann, dass sich mir die Faszination der vielen Spuren der Vergangenheit in Form von irgendwelchen Ruinen-Bruchstücken nicht wirklich erschließt.

Anyway, in dem kleinen, verschlafenen Dorf Idanha-a-Velha befinden sich auf jeden Fall gleich 14 denkmalgeschützte Bauwerke, darunter eine Brücke aus römischen Zeiten, Teile der Stadtmauer, eine Kathedrale und Spuren, der in den 70er Jahren eingestellten Ausgrabungen.

Die folgenden Fotos stammen aus Idanha-a-Velha zur Siesta-Zeit:

Weiter ging es dann nach Castelo Branco und damit raus aus dem Landleben direkt ins Stadtleben.

Na ja, Stadtleben... Castelo Branco ist immerhin Distrikt-Hauptstadt, hat aber trotzdem nur rund 35.000 Einwohner. Der neue Teil von Castelo Branco ist mit Mietblöcken dicht an dicht alles andere als ein Hingucker, aber direkt im Stadtzentrum hat die Stadt durchaus auch schöne Seiten.

Für einen vegetarischen Zwischenstopp können wir das Restaurant "Namasté" empfehlen (einen kleinen Review und den Link zum Restaurant findet ihr hier unter der Rubrik "Eat"!) und in Sachen Sightseeing oder einfach ein wenig Verweilen den wirklich schön angelegten Garten des Bischofspalastes "Jardim do Paco Episcopal" und den auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelegenen kleinen Stadtpark mit Wasserspielen und Kräutergärten.

 

Alles in allem waren wir mit diesem zweiten richtigen Urlaubstag rundum zufrieden - Monsanto ist für uns einer dieser magischen Orte, an die man sich Zeit Lebens zurück erinnern wird, die beiden anderen Orte waren ok, die Gartenanlage sogar richtig schön und last but not least haben wir lecker und günstig vegetarisch gegessen.

Am späten Nachmittag kamen wir zurück zum Ferienhaus und genossen auf dem schattigen Plätzchen unter der großen Kastanie in Hängematte und auf einem der Stühle die Wärme und Ruhe.

Kleine Auto-Rundtour durch die nähere Umgebung des Ferienhauses und erste massive Spuren alter Feuer

 

Obwohl Monsanto am Vortag wirklich jeden einzelnen Kilometer Anfahrt wert war, dachten wir uns am Folgetag, dass es auch mal schön wäre nicht allein für An- und Rückfahrt zusammen Tag für Tag 3 bis 4 Stunden im Auto zu hocken.

 

Wir schnappten uns nach dem Frühstück die im Ferienhaus bereit liegenden Broschüren und Karten für die nächste Umgebung des Ferienhauses und steckten unsere Route ab.

 

Wir haben eine schöne kleine Wanderung entlang eines Flusses erlebt, Picknick an einem Wasserfall gemacht und zum ersten Mal in diesem Urlaub Berührung mit der verheerenden Wirkung von Feuer gehabt.

An diesem Tag zunächst nur als staunender Beobachter der Verwüstung, die die schlimmen Feuer des vergangenen Sommers hinterlassen haben.

Teilweise fuhren wir kilometerweit über die Landstraße und links und rechts war von den einstigen Wäldern kaum noch etwas übrig und obwohl die Sommer-Waldbrände einige Monate zurück lagen, lag noch immer ein leichter Rauchgeruch in der Luft.

Ein beeindruckender und auch etwas beklemmender Anblick.

Zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass wir schon am nächsten Tag sozusagen live Zeuge der zerstörerischen Gewalt von Feuer werden würden und der Urlaubsaspekt weitgehend in den Hintergrund treten würde.

Serra da Estrella und der Beginn des Feuer-Chaos

 

Für einen Ausflug in die gut 2 Stunden vom Ferienhaus entfernte Serra da Estrella schnürten wir am nächsten Morgen die Wanderstiefel.

Der Ausflug ins Gebirge mit dem höchsten Berg Zentral-Portugals (der Gipfel des Torre ist 1993 m hoch und aufgrund eines Obelisken auf dem Gipfel mit 7 m Höhe sprechen die Portugiesen gerne auch von einem 2000 m hohen Berg) sollte ein Highlight werden.

Es sollten gut 30 Grad werden und die Beschreibungen zur Serra da Estrella versprachen kleinere Wanderungen, wunderschöne Panoramen und ursprüngliche, abwechslungsreiche Berg-Natur.

Wie heißt es so schön auf der Seite "Visit Portugal" zur Serra da Estrella:

"Mit ihrem höchsten Punkt von 1993 Metern in Torre ist die Serra da Estrela ein Gebiet von seltener landschaftlicher Schönheit mit beeindruckenden Gebirgserhebungen, wo wir die Stille der Höhe intensiv erleben können."...

Ähnlich wie einige Tage zuvor Monsanto, hielt auch die Serra da Estrella anfangs was die Reiseführer vollmundig versprachen.

Das Gebirge zeigte sich vielfältig, beeindruckend und weitgehend frei von Zivilisation tatsächlich auf angenehme Weise still.

Ein Ort zum, ja, durchatmen... Die Serra da Estrella ist definitiv einen Tagesausflug wert!

Für die Erkundung der Serra da Estrella hatten wir eine ziemlich große Rundtour durch das Gebirge geplant, doch in etwa auf halber Strecke wurden wir unerwartet zum Umkehren gezwungen.

Hinter den dunklen Wolken am fernen Horizont hatten wir kurz nach Start der Rundtour zunächst noch die eigentlich erst für den nächsten Tag angesagte Schlechtwetter-Front vermutet, aber als wir dem zunehmenden Wolkengebilde näher kamen, wurde uns klar, dass die Ursache kein Wetterwechsel, sondern ein Feuer war.

Tags zuvor standen wir schon staunend und, so ist der Mensch halt, irgendwie auch fasziniert vor den gewaltigen und beklemmenden Folgen größerer Brände in dieser Region und jetzt plötzlich standen wir mit genau den gleichen Empfindungen leibhaftig vor neuen Großfeuern.

Wenn man in unmittelbarer Nähe so eines großen Feuers steht, dann ist das schon beeindruckend und man begreift die Urgewalt des Elementes Feuer sofort.

Wirklich bedroht und bedrückt fühlten wir uns in dem Moment aber nicht. Die Polizei hatte die Passstraße bereits abgesperrt, der Weg zurück war ja frei und da das Feuer im weitgehend einsamen Gebirge tobte, schien es zunächst auch unwahrscheinlich, dass andere Menschen in ernster Gefahr sein könnten.

Und so standen wir mit offenem Mund und schauten, filmten und fotografierten ein Schauspiel, das man so nun wirklich nicht alle Tage und so nahe zu sehen bekommt...

 

Kleine Anekdote am Rande: 

Die Straßensperrung zwang natürlich auch andere Autofahrer zum Stop. Und wie schon wir, stiegen auch andere Autofahrer aus und schauten sich das außergewöhnliche Schauspiel an.

Direkt neben uns stieg ein junges Paar aus, schaute auf das Flammeninferno und der Mann des Paares hatte tatsächlich nichts besseres zu tun als sich erst einmal eine Zigarette anzuzünden!!!

Ich hoffe, ihr versteht was ich meine!?... - Derartige Feuer entstehen sehr, sehr oft durch Unachtsamkeit und eine achtlos weggeworfene Kippe ist häufig genau so eine Unachtsamkeit.

Es hatte in Zentral-Portugal seit Monaten nicht mehr geregnet, wo man hinschaute waren Böden und Pflanzen knochentrocken, es war Mitte Oktober noch immer 30 Grad heiß und die verheerenden Folgen der Großfeuer vom Sommer waren schwerlich zu übersehen.

Doch während unsere Vermieter zum Beispiel seit Monaten schon nicht einmal mehr auf der Terrasse zu grillen wagten, hatte der, mit Verlaub, Vollpfosten neben uns selbst fast unmittelbar vor einem Großfeuer stehend nichts besseres zu tun als zu rauchen... Schwerlich begreifbar...

 

Als die Polizei begann die Absperrung noch weiter in unsere Richtung zu verlegen, hatten wir schließlich genug gesehen.

Wir drehten um, machten uns an den gut 90 minütigen Rückweg zum Startpunkt und hofften nun von dort aus unsere Rundtour einfach in entgegengesetzter Richtung fortsetzen und vielleicht sogar vollenden zu können.

Auch zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht das Ausmaß der Katastrophe.

 

Zunächst ging unser Plan auch auf.

Waren wir anfangs entgegen dem Uhrzeigersinn auf der Rundtour, erreichten wir nun im Uhrzeigersinn den höchsten Gipfel Torre und ließen uns am Fuße des Torre schließlich zu einem Picknick nieder.

Von unserem Rastplatz inmitten von Felsen aus konnten wir erstmals sehen, dass mehrere Feuer in der Serra da Estrella tobten und einige Flammen schon den Rand eines Dorfes erreicht hatten.

Nur wenige hundert Meter nach unserem Rastplatz endete die Rundtour auch im Uhrzeigersinn. 

Ein wenig hektisch kam uns ein Schafhirte mit seiner Herde entgegen und gleich dahinter stand eine weitere Polizeiabsperrung.

So langsam kam bei aller Faszination auch ein klein wenig ein Gefühl der Beklemmung auf.

Wir hatten inzwischen begriffen, dass hier oben zahlreiche Feuer gleichzeitig tobten, wir sahen, dass sich die Flammen einem Dorf näherten und fragten uns was eigentlich mit den Menschen war, die vielleicht 15 oder 20 Minuten vor uns auf der Rundtour unterwegs gewesen waren und nun vielleicht noch irgendwo jenseits der Polizeisperren waren.

 

Eines war so oder so klar - egal ob im oder gegen den Uhrzeigersinn: einen Teil der Rundtour würden wir heute nicht mehr abfahren können.

Wir entschlossen uns so langsam zurück zum Ferienhaus zu fahren und vielleicht noch irgendwo auf der zweistündigen Strecke zurück einen kleinen Zwischenstopp einzulegen. Das Wetter war einfach zu gut...

Wir verließen die Serra da Estrella und verschwendeten zu diesem Zeitpunkt wirklich keinen Gedanken daran, dass auch unser Dorf, unser Ferienhaus in Gefahr sein könnten.

Na ja, ihr müsst euch vorstellen - das Ferienhaus lag gut 120 (!) Kilometer entfernt!...

 

In der Serra da Gardunha, einem kleinen Gebirgszug 50 km südöstlich der Serra da Estrella und damit noch immer gut 70 km von unserem Ferienhaus entfernt, ließen wir uns in einem Meer bizarrer Felsbrocken nieder, genossen die Sonne und ließen das Feuererlebnis bereits ein wenig Revue passieren.

Da schon hier in der Serra da Gardunha nichts mehr von den Feuern zu sehen war und unser Ferienhaus ja noch so viele zusätzliche Kilometer entfernt lag, waren wir mit dem Thema akute Bedrohung durch Feuer wirklich durch.

Bis, ja, bis...

Ein Funkmast auf dem Gipfel nahe des Fleckchens an dem wir uns niedergelassen hatten, veranlasste mich am späten Nachmittag dazu das Handy mal zu zücken und E-Mails abzurufen.

Ja, und der Abruf förderte auch eine E-Mail von unseren Vermietern zum Vorschein:

"Hi! At the moment there is a big fire heading our way. I would recommend not coming back to the cottage right now. I will keep you posted.  If you are close by then stay in Pedrogao if possible."

Rumms... Das saß...

Nie im Leben hatten wir angesichts der Feuer auf unserem Ausflug damit gerechnet, dass parallel rund um unser Ferienhaus 120 Kilometer entfernt auch Brände toben könnten.

Hm, "Feuer sind in unsere Richtung unterwegs" und "ich würde empfehlen in diesem Moment nicht zum Ferienhaus zurückzukommen" - das versetzte uns schon einen ersten kleinen Schock, aber es klang doch noch recht moderat formuliert...

Wir fragten uns schon kurz was jetzt wäre, wenn wir nicht zum Ferienhaus zurückkehren könnten, aber wir waren irgendwie doch noch guten Mutes.

Wir entschlossen uns in gemächlichem Tempo zurück zum Ferienhaus zu fahren und in einer auch sonntags geöffneten Einkaufsmall in Castelo Branco bei einem Bummel noch ein wenig zusätzliche Zeit totzuschlagen.

Wie wenig wir damit rechneten tatsächlich nicht zum Ferienhaus zurückkehren zu können, zeigt die Tatsache, dass wir den Abstecher in das Einkaufszentrum nicht dazu nutzen um uns für alle Fälle mit dem Notwendigsten auszurüsten...

 

Das Einkaufszentrum lag auf jeden Fall längst ein sattes Stück weit hinter uns als uns eine weitere Nachricht erreichte - da rund ums Haus weiter Brände tobten, sei es wohl am Besten, wenn wir uns für diese Nacht spontan in einem der Orte in der Nähe des Ferienhauses ein Hotelzimmer suchen würden.

Hm, nennt uns verrückt oder so... Aber das Ganze klang eher nach einer Empfehlung als nach einer eindringlichen Warnung und unumstößlichen Tatsache. Als wir das Dorf Madeira, in dessen Wäldern das Ferienhaus beheimatet ist, erreichten, versuchten wir zunächst doch zum Ferienhaus zu kommen... Na ja, und sei es um wenigstens ein paar Sachen rauszuholen...

Aber uns bot sich folgendes Bild:

Es bestand keine Chance zurück zum Ferienhaus zu gelangen.

 

Mittlerweile war es nach 20 Uhr und entsprechend dunkel.

Sich mal eben ein Hotelzimmer für eine Nacht suchen war eine ziemliche Herausforderung - in einer äußerst ländlich geprägten Region mit nur vereinzelten kleinen Ortschaften und zu allem Überfluss auch noch bei Dunkelheit.

Uns stellte sich auch die Frage ob nicht längst die wenigen Zimmer alle vergriffen sein würden, denn inzwischen war uns klar, dass hier eine ziemliche Katastrophe tobte und vermutlich viele Einheimische auch Zuflucht für eine Nacht suchen dürften.

 

Gut, dass wir in modernen Zeiten leben - via booking.com suchten wir nach potenziellen Hotels in der näheren Umgebung von Madeira und ließen uns vom Navi leiten. 

Das erste ausgewählte Hotel konnten wir trotzdem nicht wirklich lokalisieren und da in etwa dort wo es sein sollte bereits viele Autos und Menschen standen, waren wir uns ziemlich sicher, dass es kein freies Zimmer mehr geben würde.

Durch die Straßen des nächsten Ort irrten wir komplett vergeblich.

Entnervt hatte ich schon entschieden jetzt "einfach" auch noch in die gut eine weitere Stunde entfernte nächste Großstadt, Coimbra, zu fahren, als wir auf der Schnellstraße an dem Hinweisschild vorbeifuhren, dass in einigen Kilometern eine Ausfahrt zum Ort "Figueiró dos Vinhos" kommen würde.

Keine Ahnung warum, denn mir sagte der Ort rein gar nichts; aber auf jeden Fall veranlasste mich das Schild Stephie darum zu bitten bei booking.com doch noch einmal auch für diesen Ort nach einem Hotel zu suchen und so wurden wir fündig.

Der Check In gestaltete sich noch etwas schwierig, da die Dame an der Rezeption so wenig Englisch sprach wie wir Portugiesisch und es daher sehr schwer war ihr zu erklären warum wir keinen Reisepass vorlegen konnten, aber schlussendlich bekamen wir es hin.

Und so fanden wir im gut 30 km von unserem Ferienhaus entfernten Figueiro dos Vinhos ein Hotelzimmer und gegen 21.30 Uhr saßen wir doch reichlich erschöpft auf unserem Zimmer.

Inzwischen war uns die Feuerkatastrophe wirklich in Kopf und Glieder gefahren.

Als wir da nun so saßen und zum ersten Mal wieder etwas zur Ruhe und zum Nachdenken kamen, fühlten wir uns erstmals wie Gestrandete.

Jetzt drang so richtig ins Bewusstsein, dass wir quasi per Handstreich völlig unerwartet ein gutes Stück weit von den Annehmlichkeiten und Selbstverständlichkeiten des modernen Alltags abgeschnitten waren.

Klar, wir hatten für die Nacht nun doch ein Dach über dem Kopf und ein bequemes Bett, Dusche und WC warteten auf uns, aber wir saßen da in diesem Zimmer mit nichts als unseren vom Tag verschwitzten, inzwischen auch etwas verqualmten, Klamotten am Leibe und immerhin Portemonnaie und Smartphone in der Hosentasche.

Tja, die Chance für ein paar Notfall-Einkäufe hatten wir voller Zuversicht im Einkaufszentrum in Castelo Branco ungenutzt liegen lassen und so fehlten uns jetzt Zahnpasta und Zahnbürsten, Deo, neue Kleidung bis hin zur Unterwäsche, ein Behältnis und Reinigungslösung für meine Kontaktlinsen (die Brille war überdies natürlich im Ferienhaus) u.s.w..

Sorgenvoll dachten wir an den nächsten Tag und fielen doch recht bald erschöpft aufs Bett.

 

Das Gefühl in Sicherheit zu sein und die Hoffnung am nächsten Morgen würde schon alles wieder gut sein, fanden in der Nacht einen Dämpfer als plötzlich auch hier im Ort die Sirenen zu heulen begannen.

Hm, das war schon ein beklemmendes Gefühl als in tiefer Nacht die Sirenen signalisierten, dass die Brände nicht nur offensichtlich noch immer tobten, sondern nun wohl auch langsam unseren nächtlichen Zufluchtsort erreichten. Die Erschöpfung siegte jedoch schnell und ich schlief wieder ein...

 

Von Urlaub inmitten der Katastrophe keine Spur mehr - Von großer Sorge zu einem denkwürdigen Sit In

 

Durch die sich zuspitzenden Ereignisse des Vortages hatten wir nach und nach bereits begriffen, dass wir uns gerade inmitten einer ziemlichen Katastrophe befanden.

Wie groß die Katastrophe war und wie sehr wir tatsächlich geradezu im Zentrum der Katastrophe waren, zeigte ein Blick ins portugiesische Fernsehen, in dem es kein anderes Thema als die Brände gab.

 

Um euch das Ganze zu verdeutlichen ziehe ich mal die Tagesschau heran:

"In Portugal waren am Sonntag mehr als 500 Wald- und Buschbrände registriert worden - so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr an einem einzelnen Tag.  Die seit Monaten anhaltende Trockenheit und starke Winde begünstigten in vielen Gebieten der Iberischen Halbinsel den Ausbruch und die Ausbreitung der Brände. Mindestens 27 Menschen starben bisher allein in Portugal. Betroffen sind die Regionen Coimbra, Castelo Branco sowie Viseu im Zentrum des Landes und Aveiro im Norden."

 

So, wisst ihr Bescheid!?...

Als wir auf das große Feuer in der Serra da Estrella stießen, dachten wir an ein Einzelereignis und machten uns wie selbstverständlich keine Sorgen um unser ja mehr als 100 km entferntes Ferienhaus.

Wer konnte denn schon ahnen, dass an einem und demselben Tag plötzlich mehr als 500 (!) Feuer in Portugal ausbrechen...

Mindestens 27 Tote sind eine Zahl, die einem den Atem stocken lässt - erst recht, wenn man sich selbst gerade genau im Krisengebiet befindet und sich Sorgen um seine Vermieter macht...

Ja, und wenn ihr diesen Blog bisher aufmerksam gelesen habt, dann sind euch die eben im Tagesschau-Zitat enthaltenen Städte Coimbra, Castelo Branco und Aveiro bereits begegnet - deutlicher kann kaum veranschaulicht werden, dass wir uns geradezu im Zentrum des Chaos befanden...

 

Die eben schon angedeutete Sorge um unsere Vermieter verstärkte sich am Montagmorgen mehr und mehr.

In der letzten Nachricht vom Vortag hatten die Beiden angekündigt uns gleich am nächsten Morgen ein Update zu schicken.

Da wir jedoch bis um 10.00 Uhr vormittags keine Nachricht erhielten, machten wir uns nach dem Frühstück im Hotel erneut auf den Weg in Richtung Ferienhaus.

Schon von weitem ließ sich auf der Schnellstraße fahrend erkennen, dass wir gerade genau auf aktuelle Feuer zufuhren.

Insofern wunderte es uns nicht als wir diesmal bereits fast unmittelbar nach der Ausfahrt nach Madeira von einer Polizeiabsperrung gestoppt wurden.

Leider sprechen die Portugiesen jenseits der touristischen Hochburgen und Großstädte kaum Englisch.

Wir versuchten von den Polizisten eine aktuelle Einschätzung der Situation vor Ort zu erhalten, aber wie schon am Vorabend im Hotel... - wenn die eine Seite kein Portugiesisch spricht und die andere Seite kein Englisch, dann ist die Verständigung nicht eben leicht.

Mit Übersetzungshilfe einer zufällig an der Absperrung stehenden Frau entlockten wir den Einsatzkräften schlussendlich zumindest die vage Einschätzung, dass eine Rückkehr nach Madeira eventuell ab dem späten Nachmittag möglich sein könnte. Grund für die Hoffnung war allerdings einzig die Wetter-Prognose, dass am späten Nachmittag Regen einsetzen solle.

Nun ja...

 

Madeira weiterhin von Flammen eingeschlossen, trotz Ankündigung keine Nachricht von unseren Vermietern... - die Sorge wuchs weiter an.

Vom unbeschwerten Urlaubsfeeling der ersten Tage war nichts mehr übrig.

Wir schickten nun unsererseits eine Nachricht an unsere Vermieter. Eine Antwort blieb jedoch aus...

 

Für den Moment konnten wir rein gar nichts tun.

Wir entschlossen uns nach Coimbra zu fahren um dort mit ein wenig Sightseeing die Zeit totzuschlagen. 

Wir durchstreiften ein wenig die Altstadt und liefen ziemlich weit zum großen, botanischen Garten, der jedoch leider geschlossen hatte.

Mehr als das Totschlagen von Zeit war das Ganze wirklich nicht.

Das lag im Zweifelsfall nicht an Coimbra - die Universitätsstadt scheint durchaus schön zu sein.

Aber die Sehenswürdigkeiten zogen ein wenig, ja, an uns vorbei.

Wir waren zu müde und gleichzeitig zu angespannt um die Schönheiten der Stadt wirklich wahrzunehmen und zu genießen. Obwohl man von der Stadt aus keine optischen Hinweise auf die aktuellen Feuer ausmachen konnte, war das Feuerdrama allgegenwärtig - in unseren Köpfen sowieso, aber auch durch einen über der gesamten Stadt liegenden Rauchgeruch.

 

Auch gegen 13.30 Uhr hatten wir noch immer nichts von unseren Vermietern gehört.

Wir beschlossen uns am Besten auf das Schlimmste einzustellen und steuerten nun die große Shopping Mall in Coimbra an.

Wir ließen uns dort in einem Café nieder, wo wir die neuesten Informationen checkten, eine zweite Nachricht an unsere Vermieter schickten und das weitere Vorgehen planten.

 

Das weitere Vorgehen führte uns in der Shopping Mall auf Not-Einkaufstour:

Supermarkt - Zahnpasta, Zahnbürsten, Deo - done!

Apotheke - Nasenspray, Stephies Schilddrüsen-Medikament - done!

Primark - neues T-Shirt, neue Unterwäsche - done!

 

Es ging schnell mal zurück in die Tiefgarage, wo wir uns notdürftig wenigstens schon einmal Deo frisch unter die Achseln rieben und die Zähne etwas improvisiert putzten.

Auch beim anschließenden Essen im Pizza Hut war das Thema Feuer präsent. Im Restaurant lief der Fernseher und auf dem eingeschalteten Nachrichtensender gab es ausnahmslos News zur Feuer-Situation. Die Kellnerinnen standen in jedem freien Moment vor dem Fernseher, diskutierten und schüttelten immer wieder die Köpfe.

 

Und dann kam es doch... - endlich gab es ein Lebenszeichen von unseren Vermietern!

Sie hatten kein Strom mehr und irgendwann war auch das Mobilnetz zusammengebrochen, so dass sie uns nicht hatten kontaktieren können.

Auf jeden Fall war ihrer Einschätzung nach das Allerschlimmste überstanden. Da sie von der Außenwelt aber noch immer abgeschnitten waren, konnten sie nicht einschätzen ob wir schon wieder bis zum Ferienhaus würden vordringen können.

 

Für uns war das jedoch eine ausreichend gute Aussicht - wir machten uns am Nachmittag zurück auf den Weg nach Madeira.

 

Die Hoffnung erhielt einen ersten Dämpfer als wir an der identischen Stelle vom Vormittag wieder gleich nach der Abfahrt von der Schnellstraße vor einer Polizei-Absperrung standen.

Wir entschieden uns es auf dem zweiten uns bekannten Weg zu versuchen - das war zwar ein einstündiger Umweg, aber einen Versuch war es wert.

Die Hoffnung auf Rückkehr zum Ferienhaus starb in einem Dorf auf der Strecke, das wir in Richtung Madeira hätten durchqueren müssen.

Wir sahen zerstörte Häuser, bedrückte Einheimische und Flammen.

Und auf der engen, abschüssigen Straße hinab ins Dorf, die es zu passieren galt, lagen jede Menge abgerissene Stromkabel.

Auch auf diesem Wege gab es keine Chance nach Madeira zu kommen.

 

Immerhin - wir wussten, dass es unseren Vermietern den Umständen entsprechend gut ging, dass das Ferienhaus noch stand und damit auch unser Hab und Gut samt Reisepässen noch existierte.

Wir machten uns für eine weitere improvisierte Nacht im Hotel wieder auf den Weg nach Figueiró dos Vinhos.

Diesmal immerhin mit Wäsche zum Wechseln, Zahnputzzeug u.s.w....

Am nächsten Tag würde es schon einen Weg zurück geben...

 

Auf dem Weg nach Figueiró dos Vinhos fuhren wir plötzlich unerwartet an einem Wegweiser nach Madeira vorbei.

Wir schauten uns kurz an und eine Sekunde später waren wir auch schon abgebogen!

Ein unerwarteter dritter Weg nach Madeira tat sich auf - diese Option mussten wir zumindest ausprobieren...

 

Die Kilometer auf dieser Strecke verstärkten das ohnehin schon vorhandene Gefühl inmitten eines Kriegsgebiets zu sein - verkohlte Straßenschilder, geschwärzter Asphalt, verbrannte Wälder links und rechts, umgestürzte Strommasten, überall qualmte es, an einer Stelle loderten noch Flammen direkt neben der Fahrbahn...

Angesichts so manchem Eindruck am Wegesrand dachten wir zwischendurch schon ob wir eigentlich spinnen. Stephie äußerte, dass uns ihre Eltern definitiv für verrückt erklären würden, wenn sie sehen könnten wo wir uns hier gerade rein trauten.

Ein wenig beruhigend und bestärkend war die Tatsache, dass wir vereinzelt auf andere Autos trafen und uns entgegenkommende Fahrer auch nicht irgendwie signalisierten besser umzudrehen. So verrückt waren wir dann vielleicht ja doch nicht...

 

Der rein zufällig entdeckte dritte Weg nach Madeira führte uns schließlich tatsächlich zurück in den Ort und zum Ferienhaus.

Der Ort selbst war wie ausgestorben - nicht eine Menschenseele war auf den Straßen und die Zerstörung war unübersehbar.

Wir verließen die Hauptstraße und begaben uns auf der Privatstraße in den Wald hinein in Richtung Ferienhaus.

Die Umgebung war nicht wieder zu erkennen...

Ein erschreckender Anblick, oder!?

Nun, noch beklemmender ist so ein Anblick, wenn man noch zwei Tage zuvor mit eigenen Augen eine sozusagen blühende Landschaft an genau dieser Stelle gesehen hatte.

Ich hatte hier wenige Tage zuvor noch diese Früchte von den Bäumen gepflückt:

Kein Fake! - Die beiden Fotos zeigen die Flora rund ums Ferienhaus vor und nach dem Feuer-Desaster!

 

Angesichts dieses zutiefst bedrückenden Szenarios fiel die Begrüßung durch Lynn und Scott, unsere Vermieter, überraschend, ja, überschwänglich aus.

Hm, vielleicht aber auch genau wegen dieses Horror-Szenarios...

Ihr müsst euch vorstellen, dass wir sozusagen der erste Kontakt wieder zur Außenwelt für die Zwei und eine bei den Beiden gestrandete Nachbarin waren! Wir wurden erst einmal gelöchert mit Fragen nach dem Ausmaß der Katastrophe, denn über die Zustände jenseits des engen Rahmens der kleinen Gemeinde Madeira wussten sie rein gar nichts.

Und irgendwie waren wir vermutlich auch eine Art Hoffnungsschimmer - zum ersten Mal war wieder jemand von außerhalb bis zu ihnen vorgedrungen.

 

Wir waren primär gekommen um unsere Sachen zu packen, uns zu verabschieden und den Beiden bei der Gelegenheit alles Gute zu wünschen.

Scott überzeugte uns aber schnell uns wenigstens für ein Glas Wein zu ihnen auf die Terrasse zu setzen.

 

Sichtbar war das Ausmaß der Katastrophe für die Existenz der Beiden ohnehin unschwer - rund ums Haus, teilweise bis wirklich cm ans Haus heran, waren weite Teile verbrannt.

In den ersten Gesprächen wurde das Ausmaß dann noch greifbarer.

Während Hund und Katze unbeschadet überlebt hatten, waren sämtliche Hühner an einer Rauchvergiftung gestorben. Ein Großteil der Olivenbäume war verbrannt und damit die Grundlage für Lynns Produktion von Olivenöl und Seife. Die Werkstatt von Scott (er verdient sein Geld hauptsächlich durch Arbeiten und Herstellung von Dingen für die örtlichen Bauern) war den Flammen komplett zum Opfer gefallen und auch die Ferienhaus-Vermietung würde für eine Weile auf Eis liegen müssen.

Nur mal als ein Beispiel... - unser allabendlicher Relax-Platz unter einer großen Kastanie vor und nach dem Feuer:

Scott holte die nächste Flasche Wein und die Atmosphäre wurde immer entspannter, die Gespräche entfernten sich nach und nach vom zunächst alles beherrschenden Thema Feuer.

Es wurde langsam bereits dunkel und wir entschieden uns zu bleiben - auch ohne fließendes Wasser und ohne Strom im Ferienhaus!

 

Und so mündeten 1 1/2 Tage Feuer-Desaster in ein unvergessliches Sit In inmitten des Katastrophengebietes...

Muss man erlebt haben... Ist schwer in Worte zu fassen...

 

Da saßen wir nun also mit 3 Menschen, die im Falle von Lynn und Scott gerade definitiv einen Großteil ihrer Existenz verloren hatten und im Falle der Freundin noch gar nicht wussten ob noch etwas von ihrem Haus übrig geblieben ist...

Wir tranken flaschenweise Wein und wurden von Lynn sogar noch, dank Gasherd (der funktionierte ja noch!), bekocht!

Eine Resteverwertung sozusagen - Reste aus dem stromlosen Kühlschrank noch schnell verwerten und wie Lynn scherzte direkt von der Natur geröstete Paprika genießen.

Hm, muss man erst einmal schaffen in so einer Situation sich den Humor zu bewahren...

Wir saßen da also zu Fünft auf der Terrasse in Saus und Braus, quatschten mehr und mehr locker über Gott, die Welt, das Leben und unser aller Lebensentwürfe und rings herum um uns herrschte Verwüstung und qualmte es noch satt.

Kein Scherz - ab und an stand Scott kurz auf und löschte entspannt und kurz kleine neu aufschlagende Flammen auf dem Grundstück!...

Schon surreal das Ganze... Und wunderbar...

 

Irgendwann tief in der Nacht betraten wir dann erstmals wieder das Ferienhaus - ohne Strom, ohne Licht (na, Scott hatte uns immerhin eine solarbetriebene Taschenlampe in die Hand gedrückt) und mit einem Eimer schmutzigen Löschwassers als Ersatz für die Toilettenspülung in der Hand...

Das ganze Haus, sämtliche Klamotten und natürlich auch die Bettwäsche stanken satt nach Rauch. Hier und da konnte man beim nächtlichen Blick aus dem Fenster noch immer kleine Flammen sehen, aber erstaunlicher Weise schliefen wir trotzdem gut...

 

Unsere Freundin Malin schrieb uns während der Tage: "Na, das war ja schon einmal eine gute Übung für die Weltreise!"...

Wir hatten auch nicht erwartet ausgerechnet im nahen Portugal in so eine Situation zu geraten, aber manchmal kommt es eben anders als man denkt...

Eine gute Übung war es auf jeden Fall - relative Ungewissheit in einer Extremsituation, sich zudem teilweise rein gar nicht auf Englisch oder gar Deutsch verständigen zu können und gleichzeitig in genau dieser prekären Situation mit eigentlich fremden Menschen plötzlich Seite an Seite freundschaftlich und tief verbunden dazustehen... - das kann uns auch auf Weltreise passieren und wird uns nun ggf. nicht mehr so ganz unvorbereitet treffen...

Da war doch noch was... - 1 1/2 Tage Porto

 

Nach dem Frühstück hieß es für uns Abschied nehmen, aber darauf komme ich gleich abschließend noch einmal kurz zurück...

 

Für die restlichen 1 1/2 Tage fuhren wir nach Porto.

Irgendwie war die Luft bei uns raus und irgendwie ist jetzt auch die Luft hier beim Schreiben an genau diesem Punkt raus...

 

Ich lasse an dieser Stelle einfach noch einmal in erster Linie ein paar Fotos sprechen!

Nur soviel... - Porto ist definitiv eine Reise wert, ganz sicher auch einfach mal so als Städtetrip über ein verlängertes Wochenende.

Und mit dem "Black Mamba" haben wir auch noch einen richtig coolen veganen Burger-Laden entdeckt (Review und Link findet ihr wieder unter der Kategorie "Eat")!

Ein Gruß zum Abschied

 

Am Morgen nach diesem denkwürdigen Abend signalisierten uns Lynn und Scott, dass wir an diesem Abend ein Stück weit ihre Rettung waren.

Ohne uns hätten sie zusammen mit ihrer Freundin vermutlich den ganzen Abend weiter in den Gesprächen und im Kopf in ihrem Elend gebadet. 

Mit uns war jedoch für willkommene Ablenkung gesorgt.

 

Die Beiden wollten uns allen Ernstes sobald sie wieder über Strom verfügen würden den Betrag für die feuerbedingt ausgefallenen Nächte erstatten. Irgendwann konnten wir sie davon überzeugen, dass das für uns wirklich nicht nötig war, ja, es eine Selbstverständlichkeit ist darauf zu verzichten.

Ich meine, für uns ging es hier um Zusatzkosten in Höhe von nicht einmal 100 Euro... - angesichts ihrer Verluste ein Klacks...

 

Mit dieser minimalen finanziellen Geste und mit der kleinen Ablenkung für einen Abend, konnten wir wenigstens ein ganz klein wenig helfen. Mehr stand nicht in unserer Macht...

 

Wir kamen als Fremde und wir gingen als Freunde!

Und wir wünschen diesen feinen Menschen das Beste für die Zukunft!

Guter Dinge dürfen wir sein - die Beiden schauten schon bei unserer Abreise erstaunlich positiv und forsch in die Zukunft...

 

Die Region und das Ferienhaus sind unbedingt eine Reise wert! Lasst euch nicht aufhalten - bucht einen Urlaub dort!

So etwas wie hier beschrieben kommt zum Glück auch dort nicht alle Tage vor...

 

Wir werden in Kontakt bleiben und irgendwann (jetzt gibt es ja erst einmal andere große Reisepläne) garantiert wieder dorthin fahren!

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