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Vietnam 2018

Allgemeine Gedanken und Eindrücke

Nach Thailand und Malaysia im Winter 2017/2018 sollten nun Vietnam, Kambodscha und Singapur unsere Reiseländer Nr. 3, 4 und 5 in Asien werden.

 

Ein wenig zwangsläufig stellt man sich im Vorwege die Frage ob sich diese Länder eigentlich wohl groß von den anderen unterscheiden werden!?...

Hm, bei aller Zwangsläufigkeit ist diese Fragestellung eigentlich Unsinn.

Ich meine... - Unterscheiden sich beispielsweise Deutschland, Dänemark, Belgien, Frankreich und die Niederlande voneinander!? - Natürlich tun sie das!

 

Und so ist das auch hier in Asien...

 

Manch Landschaft sieht gewiss ähnlich aus und fürs ungeübte westliche Augen sehen sich auch die Menschen ziemlich ähnlich (wenn man mal davon absieht, dass im muslimischen Malaysia schon durch das obligatorische Kopftuch bei Frauen eine andere Optik entsteht).

 

Gleich unterhalb der Oberfläche entdeckt man jedoch schnell klare Unterschiede.

 

Was also ist so anders an Vietnam im Vergleich zu z.B. Thailand!?...

Von großer Freundlichkeit, einem manchmal harschem Tonschlag und Abzock-Gefahren...

Ganz ähnlich wie in Thailand begegnen einem die Menschen in Vietnam mit einer entwaffnenden Offenheit und Herzlichkeit.

 

Insbesondere außerhalb der Großstädte und touristischen Zentren wird einem freundlich zugewunken und Kinder schauen einem mit großen Augen an und grüßen mit einem neugierig-freundlichen "Hello".

Selbst in der Millionenstadt Hanoi ist es uns passiert, dass uns eine Schülergruppe einfach so ansprach und um ein gemeinsames Foto bat und anschließend durften wir auch noch unsere Namen und unser Herkunftsland in ein kleines Büchlein eintragen.

Ein klein wenig gewöhnungsbedürftig und so gar nicht passend zu der großen Freundlichkeit ist der mitunter äußerst harsche Kommando-Ton vor allem vietnamesischer Frauen.

Wer nicht schnell genug aufs Boot steigt oder es wagt unaufgefordert auf dem Markt etwas anzufassen, der wird gefühlt schon einmal, ja, angekeift.

Fehlt eigentlich nur noch ein Klaps auf die Finger oder ein aufs Boot schubsen, um bei den beiden Beispielen mal zu bleiben...

 

Aber keine Sorge - das ist offenkundig einfach Teil der Kultur und keineswegs feindliche Gesinnung!

Ein und dieselbe Person lächelt einen kurze Zeit schon wieder freudestrahlend an und winkt lächelnd zum Abschied!

 

Wir haben uns sehr schnell daran gewöhnt und finden das Ganze jetzt eher amüsant.

 

Allzu zartbesaitet darf man aber nicht sein...

Bei einer Bootstour auf der Insel Cat Ba musste man direkt vom kleinen Boot aus an den Strand springen.

Eine junge deutsche Frau traute sich nicht gleich so recht und der Bootsführer hinter ihr keifte sie halt wie üblich an. Na ja, so ein "Hopp-Hopp-Hopp" mit Nachdruck halt.

Die junge Frau fühlte sich dadurch so unter Druck gesetzt, dass sie in Tränen ausbrach und ich befürchte für sie war dieser an sich tolle Tage damit gelaufen...

Überall auf der Welt gibt es an besonders touristischen Orten die Gefahr von Touristen-Abzocke - egal ob in Asien, Afrika oder um die Ecke in Europa.

 

Vietnam macht da keine Ausnahme...

 

Um mal zu verdeutlichen was euch in Vietnam so passieren kann, schildere ich einfach mal zwei Erlebnisse von uns:

 

Gleich an unserem allerersten Tag in Vietnam, genauer auf dem Nachtmarkt in Hanoi, habe ich mich ein klein wenig, nun ja, überrumpeln lassen...

Eine Straßenverkäuferin kam auf mich zu und bot mir ein Probierstück Kuchen an.

Ich hatte kaum mit dem Probieren begonnen, da hatte sie auch schon eine Tüte voll mit Kuchen gepackt und Stephie in die Hand gedrückt.

Sie quatschte fleißig weiter auf uns ein und zu allem Überfluss (und natürlich mit Hintergedanken) gesellte sich auch noch eine zweite Verkäuferin dazu und quatschte auch los.

Das Probierstück im Mund, die Tüte voller Kuchen schon in der Hand, zwei auf einen auf vietnamesisch einquatschende Frauen an der Backe und das Handling mit den schnell mal Millionen Beträgen (zur Verdeutlichung: 10 Euro sind ungefähr 270.000 Vietnamesische Dong (ja ja - gesprochen Zweihundertsiebzigtausend!)) noch nicht so gewöhnt...  - schneller als ich gucken konnte, hatte ich Kuchen im Wert von vielleicht 1,50 Euro für 7 Euro gekauft!

Hm, immerhin...  als die erwähnte zweite Verkäuferin auch noch die Hand aufhielt und 50.000 weitere Dong forderte, da war auch ich bereits am allerersten Tag in Vietnam schon schlau genug um abzuwinken und zu gehen...

 

Das zweite Beispiel ist ein sehr typisches Taxi-Beispiel...

In Hue spazierten wir am frühen Abend durch leichten Nieselregen und insofern waren wir eigentlich ganz froh als ein vorbeifahrendes Taxi anhielt.

Gleich mit Beginn der Fahrt stellten wir fest, dass der Taxameter nicht lief.

Entsprechend reagierten wir sofort und forderten vom Fahrer alternativ die Nennung eines Festpreises für die Fahrt zu unserer Unterkunft.

Als er daraufhin 70.000 Dong aufrief, war uns klar: Abzocke!

Na ja, erstens stellen seriöse Taxifahrer auch in Vietnam den Taxameter an und zweitens hatten wir zuvor für eine doppelt so lange Strecke mit Taxameter nur 54.000 Dong gezahlt!

Wir forderten den Fahrer daraufhin auf anzuhalten, was er dann auch nach wenigen 100 m tat.

Nun eilte er zum Kofferraum und kam allen Ernstes mit zwei kleinen Flaschen Wasser zurück, um damit unser Einverständnis zu den 70.000 Dong zu erzielen.

Wir lehnten dankend und nachdrücklich ab.

Nun fragte er uns welcher Preis uns denn vorschwebe und ich bot ihm angesichts der 54.000 für eine doppelte so lange Strecke zuvor faire und realistische 30.000 Dong an.

Seine Frage wie ich denn auf diesen niedrigen Preis kommen würde, beantwortete ich mit Verweis auf besagte Taxifahrt mit Taxameter zuvor.

Als er der Argumentation nicht folgte, sind wir konsequenter Weise wieder ausgestiegen.

Eine Weile fuhr er dann noch im Schritttempo neben uns her und rief: "Ok, 50.000, ok!?"

Aber irgendwann gab er dann doch auf und fuhr von dannen. 

 

Um das noch einmal klarzustellen... - seine überzogenenen 70.000 Dong waren auch nur umgerechnet 2,64 Euro und der Unterschied zum realistisch-fairen Preis von 30.000 Dong betrug somit nur 1,51 Euro.

Aber es ist und bleibt Abzocke und wird eben leider so lange funktionieren, wie sich Touristen darauf einlassen so nach dem Motto "Ach, Scheiß drauf... - sind doch nur 1,51 Euro"...

Für Vietnamesen sind jedoch auch 1,51 Euro einiges an Geld! Und vor allem kann es doch nicht sein, dass der seriöse Taxifahrer für seine Ehrlichkeit quasi bestraft wird und satt weniger verdient, oder!?!

 

Diese zwei Anekdoten sollten euch aber keinesfalls abschrecken!

Schlussendlich sind es Ausnahmen und nach wenigen Tagen im Land ist man gut darauf vorbereitet.

Oft sind z.B. auch die Unterkünfte hilfreich, in dem sie einem schon im Vorwege explizit mitteilen was ein realistischer Preis fürs Taxi für die Fahrt von A nach B ist.

Und zu guter Letzt sollte man nicht vergessen, dass das auch kein rein vietnamesisches Problem ist... - Touristen sind in so vielen Ländern auf der Welt potenzielle Opfer für solche kleinen Betrügereien...

 

Und was die spezielle Taxi-Situation angeht... - wir können nur wiederholen: Nehmt euch lieber ein Uber-Fahrzeug, bzw. hier in Asien ein Grab-Fahrzeug!

Ohne wenn und aber steht der Preis da schon bei Buchung der Fahrt fest und es gibt keinen Spielraum für Betrügereien.

Kleine Achillesferse an diesem Tipp ist freilich, dass Grab in Vietnam leider noch nicht so weit verbreitet ist wie z.B. in Thailand oder Malaysia. In Ho Chi Minh Stadt oder in Hanoi - kein Problem, aber jenseits dieser zwei Millionenstädte wird es schon schwierig...

Der Verkehr und die Fortbewegung im Land

Während wir in Thailand und Malaysia ja selbstfahrend mit Fahrrad, Roller und auch Mietwagen unterwegs waren, waren es hier in Vietnam nur Fahrrad und Roller.

 

Primärer Grund dafür war, dass es rein faktisch gar nicht möglich ist als Ausländer einen Mietwagen zu mieten.

 

Hm, vielleicht war das auch gut so...

Ohne Frage ist das Verkehrschaos zumindest in den großen Städten noch einmal eine andere Nummer als im auch schon chaotischen Thailand.

 

Ich bin ja selbst in Bangkok tapfer Auto gefahren...

Ein Spaß war das Autofahren in Bangkok nicht, aber das lag dort vor allem daran, dass man quasi permanent im Mega-Stau stand.

 

In Hanoi und noch mehr in Ho Chi Minh Stadt kommt zum Verkehrskollaps durch viel zu viele Fahrzeuge eine gegenüber Bangkok noch einmal deutlich größere, fast totale Regel-Ignoranz hinzu.

Ohne groß zu übertreiben... - rote Ampeln sind allenfalls so etwas wie eine Option, Zebrastreifen sind zwar existent, werden jedoch zu 100 % ignoriert, die eine Hälfte biegt im eigentlich vorgeschriebenen großen Bogen ab, die andere Hälfte schneidet die Kurve hingegen aufs Extremste, wer aus einer eher einem Loch gleichenden kleinen Gasse raus kommt, hat offenkundig ein Gefühl von Vorfahrt und brettert ohne große Rücksicht auf Verluste mitten auf die Hauptstraße.

 

Bei einer Grab-Fahrt in Ho Chi Minh Stadt von kaum mehr als 10 Minuten, die auch auf gerader, großer Straße weitgehend im Zick-Zack verlief und man wohl mehr als ein halbes Dutzend Mal das Gefühl hatte, dass es jetzt zum Zusammenstoß kommen werde, stellte Stephie irgendwann die Frage in den Raum ob man als Fahrer in dieser Stadt wohl eine Gefahrenzulage erhalte. Schließlich fände sie diese Fahrt schon als Beifahrerin satt anstrengend...

 

Außerhalb der Innenstädte sah das schon ganz anders aus; auf der Autobahn oder dem platten Land war das Chaos zumindest nicht größer als in Thailand.

Also, ich fühlte mich auf Roller und Fahrrad zumindest recht sicher...

 

Na, gut... - meine Einschätzung ist sicher nicht für jeden zielführend...

 

Stephie zumindest hat, wie man so schön sagt Blut und Wasser geschwitzt als wir an einem Abend im ja gar nicht mal so großen Hue in der Rush Hour eine total chaotische Kreuzung per Fahrräder überqueren mussten.

Stellt euch einfach eine normale große Kreuzung in Deutschland vor... - aus allen Richtungen gleichzeitig strömen geradezu unzählige Autos, Fahrräder und Motorroller mitten auf die Kreuzung. Alle gleichzeitig verfolgen ihren eigenen Weg, fahren in eine der vier Richtungen geradeaus oder biegen in eine der acht möglichen Richtungen ab. Das für sich ist schon Chaos pur und nicht angenehm, wenn man als Radfahrer das schwächste Glied des Chaos ist, wenn dann aber eben auch noch alle extrem unterschiedlich ihre Kurve in Angriff nehmen, dann ist das schon sehr eigenwillig und wer in diesem Moment ein wenig Angst bekommt und beginnt zu zögern, hat im Grunde genommen verloren.

 

Als Fußgänger und Zweiradfahrer habe ich mich diesem "Augen zu und durch"-Chaos wieder schnell gut angepasst.

Vielleicht sogar zu viel... Stephie stöhnte auf jeden Fall irgendwann einmal in Ho Chi Minh Stadt als ich wieder äußerst mutig Slalom über die Straße lief: "Warum muss eigentlich ausgerechnet ich mit dem lebensmüdesten Europäer weit und breit hier durch die Stadt laufen!?"...

 

Nun, bis zum Zeitpunkt dieser Zeilen zumindest ist mir immerhin trotz des großen Wagemuts nichts im Straßenverkehr passiert.

Und überhaupt... - was uns wirklich immens wundert ist, dass wir trotz all dieser unglaublich chaotischen Zustände im Straßenverkehr nicht einen einzigen Unfall in den 3 Wochen Vietnam gesehen haben.

Unglaublich eigentlich...

 

Freilich stellte Vietnam in Sachen Fortbewegung auch jenseits des

Straßenverkehrschaos eine echte Herausforderung für uns dar...

 

Seit mittlerweile 32 Jahren bereisen wir gemeinsam die Welt.

Noch nie in diesen 32 Jahren haben wir (von Städte-Kurztrips natürlich einmal abgesehen) nicht ein eigenes Auto am Start gehabt!

 

Vietnam war daher Premiere und Herausforderung zugleich - erstmals ging es für uns per Bus und Bahn (und einmal per Inlandsflug) kreuz und quer durchs Reiseland.

 

Puh... - insbesondere ich hatte schon wirklich gewaltige Manschetten davor...

Das ist schwer zu erklären... - Ich liebe einfach meine Unabhängigkeit und fühle mich entsprechend schnell arg gegängelt, wenn die Dinge nicht mehr in meiner Hand liegen, wenn ich bei der Reise- und Tagesplanung von Abfahrtzeiten, Pünktlichkeit u.s.w. abhängig bin, wenn ich jedes Mal aufs Neue hoffen und beten muss nicht den letzten Arsch-Platz zugewiesen zu bekommen u.s.w....

Im Sleeper-Bus z.B. gibt es ganz hinten die letzte Reihe, die so gestaltet ist, dass da 5 Menschen ohne jegliche Abtrennung zu den Nachbarn nebeneinander liegen... - hätte ich jemals so einen Platz zugewiesen bekommen... - ich hätte garantiert auf die Fahrt verzichtet...

 

Aber all meine kleinen und großen Sorgen in Sachen Bus und Bahn waren unbegründet.

 

Erst die allerletzte Busroute (von Ho Chi Minh Stadt nach Can Tho und zurück) brachte so ihre Anlaufprobleme mit sich, verlief unterm Strich aber auch alles andere als desaströs.

 

Bis auf eben diese allerletzte Busfahrt hatten wir alle Bus- und Bahntickets im Vorwege über die Internetplattform 12GoAsia gebucht und bezahlt.

Hier der Link:

Die Online-Buchung war denkbar einfach und auch vor Ort funktionierte schließlich alles reibungslos.

Super!

 

Unser favorisiertes Fortbewegungsmittel in Vietnam war schlussendlich tatsächlich der Zug.

Hey, in Sachen Pünktlichkeit und Service kann sich die Deutsche Bahn gerne mal ein Beispiel am Zugverkehr in Vietnam nehmen!

Zweimal sind wir mit dem Zug gefahren - einmal 4 und einmal 11 Stunden.

Beide Male fuhren die Züge pünktlich ab und beide Male kamen sie auch pünktlich, bzw. sogar überpünktlich an.

Bei Betreten der Bahnsteige weisen einem Mitarbeiter bereits die richtige Richtung für den Einstieg ins gebuchte Abteil, während der Zugfahrt wird fleißig und wiederholt das Abteil ausgefegt und die Schaffner schleppen fleißig ohne Murren bei Bedarf die gewaltigen Einkäufe der Einheimischen (mehrere Kisten, große Kartons u.s.w.) von A nach B.

Einzig etwas gewöhnungsbedürftig ist eigentlich nur das schon sehr gemächliche Tempo  der Züge - 11 Stunden Fahrtzeit für eine 500 km Strecke (also in etwa für die Bahnstrecke Hamburg-Frankfurt) sind da schon eine Hausnummer an Gemütlichkeit. Aber so ist das halt, wenn an so mancher Stelle die Roller auf den Straßen locker mit dem Zugtempo mithalten und selbst die Höchstgeschwindigkeit unterhalb von 80 km/h liegt.

Anyway, wir haben selbst die 11 Stunden irgendwie sehr gut überstanden und können den Zug als Fortbewegungsmittel in Vietnam empfehlen.

 

 

Was die Fortbewegung per Bus angeht, haben wir lediglich die Mini-Bus-Variante nicht erlebt.

Wir sind mit großen Bussen mit Sitzplätzen und mit großen Sleeper-Bussen unterwegs gewesen.

Im Gegensatz zur Bahn fuhren die Busse nicht immer pünktlich ab, holten die vorneweg verlorene Zeit aber meist weitgehend wieder ein.

Für mich, der eher selten auf die Toilette muss, eher überflüssig ist die obligatorische und ausgedehnte "Pinkel-Pause" auf halber Strecke, die für die meisten Anderen aber natürlich höchst willkommen ist; die aber natürlich auch der Hoffnung dient, dass die Passagiere an den zahlreichen Verkaufsständen der Raststätte etwas kaufen.

Aber immerhin haben die Busse auf unseren Strecken von bis zu maximal vier Stunden ausnahmslos nur einen solchen WC- und Shopping-Stopp eingelegt - alles ok insofern.

 

Die Sitzplatz-Busse boten für uns den Vorteil, dass wir ähnlich wie im Zug nebeneinander sitzen und so die Zeit mit Spielen, einen Film schauen oder den Vlog erstellen verbringen konnten.

In den Sleeper-Bussen ist das leider nicht möglich, da man eben in Liegeschalen eher liegt als sitzt und bis auf in der vorhin erwähnten unsäglichen letzten Reihe immer einen Gang zwischen sich und seinem Nachbarn hat.

Na ja, dann chillt man halt mal 4 Stunden entspannt liegend... Ist doch nicht so schlimm... Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere von euch das jetzt gerade denkt...

Gänzlich unbequem ist es in den Sleeper-Bussen natürlich auch tatsächlich nicht und bei einer Fahrt über Nacht ist das vermutlich tatsächlich ein Stück weit ein Segen, aber bei einer zeitlich begrenzten Fahrt am Tage ist dieses Plus an Bequemlichkeit wirklich nicht nötig. Und ohnehin hält sich die Bequemlichkeit ab einer gewissen Größe dann eben doch in Grenzen... - ich zumindest, mit meinen 1,85 m, hatte bereits keine Chancen mich wirklich auszustrecken...

Kurzum - beide Bus-Varianten sind ok und haben ihre kleinen Vor- und Nachteile.

 

Mit beiden Bus-Varianten lief die Fahrt im Grunde genommen auch reibungslos; die eigentliche Hauptfahrt zumindest...

Was ich damit meine!?... - Nun, in der Regel findet vorab noch ein Transport zum Startpunkt (manchmal ein Busbahnhof, manchmal eine Tankstelle oder einfach eine Straßenecke) und damit zum eigentlich Bus statt und dieser wird mit Vans oder Kleinbussen durchgeführt.

Nicht weiter tragisch, aber schon etwas gewöhnungsbedürftig ist es dann halt schon, wenn man "in the middle of nowhere" ausgesetzt wird oder der Minibus so überfüllt ist, dass Passagiere auf Plastikhockern oder dem Boden sitzen müssen.

Etwas lästig, fast unangenehm, ist dann mitunter der Ausstieg am Zielort, denn dort warten gerne bereits zahlreiche Taxifahrer, Essenverkäufer, Übernachtungsanbieter u.s.w. auf die potenzielle Kundschaft und während man noch irgendwie sein Gepäck aus dem Bus hievt wird man schon von allen Seiten zugeschwallert.

Aber irgendwie gehört das zum Abenteuer "Asien" auch einfach dazu...

 

Ich erwähnte vorhin bereits, dass einzig die nicht vorab gebuchte Busfahrt von Ho Chi Minh Stadt nach Can Tho etwas schwieriger war.

Die Busfahrt an sich verlief nicht schlechter als die anderen, nur ans Busticket war ungleich schwerer zu kommen.

Im Backpacker-Viertel von Ho Chi Minh Stadt findet sich eigentlich alle 100 m eine Agentur, die Touren organisiert, Bustickets verkauft u.s.w..

Aber a) kann man dabei ganz, ganz schnell die Übersicht und Lust verlieren und b) ist das Ganze dann mitunter schon ziemlich umständlich.

Wir waren z.B. in einer Agentur, die uns als Lösung anbot, dass wir von dort um 8.30 Uhr per Fahrer zu einem Kleinbus-Terminal gefahren werden würden, per Kleinbus wäre es dann weiter zum eigentlichen Busbahnhof gegangen und 90 Minuten später um 10 Uhr wäre dann endlich die eigentliche Busfahrt losgegangen - umständlich und unnötig teuer...

Also hielten wir nach Alternativen Ausschau...

Alternative Nr. 1: Online-Buchung. Mit 12GoAsia hatten wir ja tolle Erfahrungen gemacht, aber ausgerechnet diese Strecke war dort nicht buchbar und beim sonst allgemein empfohlenen Anbieter "Easybook" funktionierten europäischen Kreditkarten partout nicht.

Die Suche ging also weiter...

Alternative Nr. 2: Nach kurzer Internet-Recherche entdeckte Stephie, dass das Major-Busunternehmen "Fuba Bus" fast um die Ecke unserer Unterkunft eine eigene Agentur betreibt. Also sind wir flugs dorthin gelaufen, bekamen aber die Auskunft, dass wir dort zwar Fuba Bus-Tickets kaufen könnten, nicht aber für die Strecke nach Can Tho! Was für ein Scheiß...

Immerhin gab uns die Dame am Schalter einen Zettel mit der markierten Adresse der Zweigstelle mit, in der wir Tickets nach Can Tho erwerben können.

Etwas stressig das Ganze, aber schlussendlich sind wir dann am Reisetag tatsächlich spontan zu der Adresse gefahren und konnten dann auch zügig nach Can Tho aufbrechen...

 

Tja, was soll ich oder kann ich zusammenfassend sagen!? - Bus- und Bahnfahren in Vietnam lief unterm Strich viel besser als von mir erwartet!

Essen und Trinken - nach Malaysia ja mit Sorge belastet...

Wer unsere letztjährige Reise durch Thailand & Malaysia ein wenig verfolgt hat, der hat unschwer mitbekommen, dass wir zumindest in  Malaysia ziemlich schnell auf dem Zahnfleisch gingen... - ein ganz klein wenig vor Hunger, vor allem aber nervlich...

In Malaysia war es einfach ungemein schwer veganes oder vegetarisches Essen zu finden.

 

Da sah es in Thailand schon ungleich besser, wenn auch sicher nicht überall perfekt, aus.

 

Neuer Spitzenreiter in Asien in Sachen Essen ist für uns ab sofort aber Vietnam!

 

Ja ja, wir sind in den 3 Wochen Vietnam auch mehrfach bei Domino's und der Pizza Company gewesen, aber das war eher einfach aufgrund der Lust auf eine Pizza oder ganz am Anfang in Hanoi so ein wenig, ja, vorbeugend... - so im Sinne von "am Besten am Anfang gut essen, wer weiß wie es sich in Sachen Essen später auf dem Land so gestaltet..."...

Diese Sorge war aber unbegründet!

Auf dem Nachtmarkt etwa in Hoi An fanden sich genügend vegetarische Optionen für uns, eigentlich überall gab es auch rein vegetarische oder vegane Restaurants und auf den Karten der "normalen" Restaurants gab es oft auch eine Extra-Kategorie für vegetarisches Essen oder ein "V" als Hinweis darauf, dass dieses oder jenes Gericht auf Wunsch auch in einer vegetarischen Variante zubereitet werden kann.

Kurzum - unserem Eindruck nach ist man in Vietnam inzwischen ziemlich gut auf uns Vegetarier und Veganer eingestellt.

 

Selbst das in vielen Blogs und Vlogs geschilderte Missverständnis, dass man in den Restaurants trotz eines für uns Europäer unmissverständlichen "I don't eat meat!" davon ausgeht, dass man trotzdem zumindest ohne Weiteres Fisch und Huhn isst, ist uns nicht einmal untergekommen.

 

Burger mit vegetarischem Paddy, vietnamesische Gerichte mit auf unterschiedlichste Weise zubereitetem Tofu (das in Asien übrigens ja so viel leckerer und vielfältiger ist als in Deutschland) und und und... - wir hatten Abwechslung und wenig Stress beim Finden von Optionen für uns.

Mehr zu den Leckereien seht ihr hier und da in den Vietnam-Vlogs...

 

Gleiches galt zum Glück auch fürs Frühstück...

Die Asiaten essen ja bereits zum Frühstück warm - Suppen, Reisgerichte u.s.w.

Da ich mich aber partout nicht darauf einstellen kann (mag) schon in aller Frühe quasi Mittagessen zu mir zu nehmen, war und bin ich auf das ungleich dünnere Angebot an westlichem Frühstück angewiesen.

 

Neben Obst (zu meinem Leidwesen bevorzugt in Form der von mir ja verschmähten Bananen) bestand das westliche Frühstück in Thailand immer und immer wieder aus nichts als Toast und Erdbeermarmelade. Irgendwann kam mir das wirklich zum Hals raus, zumal die Erdbeermarmelade in Thailand wirklich nichts außer eklig süß ist.

 

In Vietnam jedoch war beim Frühstück für deutlich mehr Abwechslung gesorgt - neben Toast und Orangen- oder "natürlich" Erdbeer-Marmelade (die allerdings ungleich weniger künstlich schmeckte!) gab es dank des französischen Einflusses auch richtig schön knackige Baguette-Brötchen oder auch Pancakes in den unterschiedlichsten Varianten.

Auch beim Frühstück kamen so kaum Eintönigkeit und Frust auf.

 

Und zu guter Letzt noch ein Wort zum vietnamesischen Kaffee... - Wir lieben ihn!

Optisch kommt er eigentlich ziemlich dunkel daher, was für uns natürlich erst einmal abschreckend ist.

 

Na ja, die meisten von euch wissen es ja... - einen schnöden, klassischen Kaffee wie bei Muttern bekommen wir nicht runter... - viel zu bitter.

Bei uns geht es weit eher in Richtung Latte Macchiato - mehr Milch als Kaffee und am Besten noch mit Caramel-SIrup oder ähnlichem.

Generation Starbucks halt...

 

In Vietnam konnten wir auf derlei Schnickschnack jedoch verzichten.

 

Egal ob kalt oder warm - schon die schnöden, klassischen Varianten vietnamesischen Kaffees machten uns richtig glücklich und sparten uns durchaus den einen oder anderen Euro, denn die natürlich auch angebotenen westlichen Varianten a la Latte Macchiato waren im Vergleich spürbar teurer.

Zum einen wird der Kaffee wohl schon auf eine spezielle Art geröstet.

Zum anderen gilt aber auch hier unser Dank den Franzosen... - Als die Franzosen während der Kolonialzeit feststellten, dass normale Kuhmilch bei den schwül-heißen Bedingungen eher problematisch ist, führten sie (gesüßte) Kondensmilch ein. Und obwohl inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert von den französischen Besatzern befreit, haben die Vietnamesen diese Kaffee-Variante beibehalten. Wunderbar...

Aber jetzt zu den einzelnen Etappen unserer Vietnam-Reise...

Ho Chi Minh Stadt (Saigon)

Ho Chi Minh Stadt war unsere allerletzte Station auf unserer Vietnam-Reise.

Insofern ist es etwas ungewöhnlich, wenn ich hier mit Ho Chi Minh Stadt beginne und so das Pferd von hinten aufzäume.

 

Aber was soll ich sagen... - Ho Chi Minh Stadt war der einzige Ort auf der gesamten Vietnam-Reise, der uns nicht gefallen hat und es wäre doch schade, wenn unser eigentlich von Vietnam begeisterter Blog mit unseren negativen Eindrücken von Ho Chi Minh Stadt enden würde, oder!?

Nein, dann starten wir doch lieber mit dem einzig negativ empfundenen Ort und können danach in aller Ruhe und Ausführlichkeit vom Land schwärmen...

 

Tja, Ho Chi Minh Stadt...

Natürlich stellt sich die Frage nach dem "Warum!?"...

Warum hat uns Ho Chi Minh Stadt eher gar nicht gefallen!?...

 

Hm, beim Nachdenken geisterte plötzlich die Frage durch meinen Kopf: 

„Was ist das eigentlich mit uns und dem Nord-Süd-Gefälle!??“…

 

In Deutschland haben wir unsere Jahre im Süden Deutschlands ebenso positiv empfunden wie unsere Jahre im Norden.

Aber sonst…

 

Als wir auf Fuerteventura lebten war der Norden unsere Ecke, ja, gefühlt unsere Heimat. Mit dem Süden hingegen konnten wir wenig anfangen.

In Thailand fühlten wir uns erneut im Norden weit wohler als im Süden.

Und jetzt in Vietnam wieder… - Daumen hoch für das nördliche Hanoi und Daumen runter für das südliche Ho Chi Minh Stadt.

 

Auf Fuerteventura ist das Ganze touristisch bedingt.

Während im Süden Deutsche omnipräsent sind (Biergärten, überall Werbung für „Bundesliga live“ u.s.w.) und das Angebot schon arg in Richtung Massentourismus tendiert, regiert im Norden der Insel eher Mulit-Kulti und gerade Orte im Nordwesten bemühen sich um nachhaltigen Tourismus.

Zwangsläufiger Punkt für den Norden Fuerteventuras…

In Thailand empfanden wir es ähnlich.

Der Norden Thailands ist noch etwas, ja, traditioneller, die Menschen noch nicht ganz so total abhängig und damit (leider) versaut vom Tourismus.

Im Süden Thailands indes regieren vielerorts Massen- und Billig-Tourismus, die Einheimischen sind komplett abhängig vom Tourismus und fast zwangsläufig begegnen sie uns Fremden vermehrt nur noch einzig als potenzielle Geldquelle.

Und deshalb auch in Thailand ein Punkt für den Norden.

 

Und genau das ist auch eines der vielen Probleme von Ho Chi Minh Stadt im Vergleich zum im Norden liegenden Hanoi.

Wer sich ein wenig vorab mit Land und Leuten vertraut macht, stößt schnell auf den Hinweis, dass sich auch ganz unabhängig vom Umgang mit Touristen Nord- und Südvietnamesen dahingehend unterscheiden, dass im Süden der Faktor Geld oder das Streben nach Gewinn eine größere Rolle als im Norden spielt.

 

Genau das spiegelt sich im Alltag als Tourist in den Straßen beider Städte wider.

 

Klar, auch in Hanoi gab es reichlich Straßenhändler, „Mitschnacker“ vor Restaurants oder Massage-Salons u.s.w..

Aber der Unterschied hier ist die zuweilen erschlagende Masse in Ho Chi Minh Stadt.

Was in Hanoi eine Begleiterscheinung war, war in Ho Chi Minh Stadt in mancher Ecke schwer erträgliche Belästigung.

Es gab Straßenzüge, da reihte sich ein Massagesalon an den nächsten, vor jedem einzelnen stand jemand, quatschte einen an und versuchte einen zu einer Massage zu überreden.

Das gehört irgendwie zu Asien dazu, schon klar; aber wenn es einem alle 5 Meter passiert und vor manchem Salon gleich 3 (!) Personen gleichzeitig auf einen losgestürmt kommen, sorry, dann nervt das.

Die nächste Ecke ist fest in der Hand der Sonnenbrillen-Verkäufer. 

Wenn einem in 5 Minuten der gefühlt zehnte Sonnenbrillen-Verkäufer anquatscht (und das obwohl man bereits nicht übersehbar eine Sonnenbrille auf der Nase trägt!), dann nervt das.

Wieder einen Straßenzug weiter, übernehmen die Kokoswasser-Verkäufer die Belästigung.

Gefühlt alle 100 Meter die gleiche billige Masche… - die Touristen werden freundlich angelächelt, vielleicht wird noch eine knappe Info über eine Sehenswürdigkeit an diesem Fleck der Stadt erzählt und fast fließend wird parallel die Kühlbox geöffnet und versucht einem unaufgefordert eine Kokosnuss in die Hand zu drücken. Und wenn das Teil erst einmal in der Hand ist, dann wird der Fantasie-Preis aufgerufen. Sorry, das ist penetrant und nervig.

Nun, ich könnte diese Aufzählung fortsetzen, aber ich denke schon jetzt ist klar geworden was ich meine…

Als Tourist fühlt man sich in Ho Chi Minh Stadt viel mehr als in Hanoi schnell als reine Geld-Melk-Kuh…

 

Verschlimmert wird dieser Eindruck durch das zumindest im Backpacker-Viertel arg halbseiden anmutende Angebot.

Die „Damen“ vor so manchem Massage-Salon ließen schon rein optisch wenig Zweifel daran aufkommen, dass sie Männern im Separé eine Massage mit „Happy End“ anbieten würden, sprich gegen kleinen Aufpreis mit Hand- oder Blow-Job.

Dazu passend stand an der einen oder anderen abgefuckten Bar, an deren Außenplätzen sich abends schnell auch auffällig viele alte, ebenso abgefuckte weiße Männer niederließen, auch groß und unverblümt „Girls Girls Girls“.

Sorry, wir hatten in Thailand keinen Bock auf Pattaya und uns widerte diese unheilige Allianz von primitiven Touristen und einem auf sie abgestimmten Schmuddel-Angebot auch in Ho Chi Minh Stadt schlicht und ergreifend an.

 

Ein Ausbund an Sauberkeit war auch Hanoi beileibe nicht, aber obwohl die Straßen der Innenstadt Hanois deutlich enger sind als die in Ho Chi Minh Stadt passierte es uns in Hanoi deutlich seltener als in Ho Chi Minh Stadt, dass wir in einem Straßenabschnitt landeten, in dem es schier unerträglich nach Pisse und anderen üblen Gerüchen roch.

Unschön!

 

In vielen Reiseführern und Blogs wird in Sachen Ho Chi Minh Stadt von den Prachtstraßen und ihren Bauten geschwärmt.

Grund dafür ist schlussendlich so ein „Schaut mal hier… - wie westlich die Stadt hier schon aussieht, welche Nobelmarken es hier so zu kaufen gibt“-Gedanke.

Mir ist das zu imperialistisch und kapitalistisch gedacht und darüberhinaus hält sich die Pracht dann eben doch auch ohnehin in Grenzen. 

Nein, auch diese Prachtstraßen mit Oper, „Notre Dame“ etc. sind für uns kein Argument für einen Ho Chi Minh Stadt-Aufenthalt.

Aktuell schon gar nicht, denn die eine der zwei Straßen ist aufgrund eines U-Bahn-Baus aktuell nichts als eine einzige Groß-Baustelle und an der anderen Straße ist manches Gebäude (Notre Dame) gerade wegen Renovierungsarbeiten nicht zu besichtigen oder schlicht hässlicher DDR-Schick (Wiedervereinigungspalast).

 

Tja, an dieser Stelle bereits kommt die Frage auf: „Gibt es überhaupt etwas Sehenswertes in diesem Moloch!?“…

 

Die Antwort lautet: „Ja!“

Ausgerechnet die fürchterlich traurigen Eindrücke des gut gemachten Kriegsopfer-Museums werden uns, man mag es in diesem Kontext gar nicht so formulieren, positiv in Erinnerung bleiben.

Vor allem anhand von teilweise zutiefst erschütternden Arbeiten von Berufs- und Presse-Fotografen wird einem an diesem Ort herzzerreißend vor Augen geführt welche schweren Verbrechen die US-Amerikaner während des Vietnam-Kriegs dem Land und den Menschen angetan haben.

Nicht zuletzt die unzweifelhaft völkerrechtswidrige massenhafte Bombardierung mit chemischen Waffen führte u.a. zu schrecklichen Geburtsfehlern, die teilweise kaum fassbar sind und leider bis heute ein Problem darstellen.

 

Die folgenden Bilder aus der Ausstellung sind nur die Spitze des Eisbergs - es gibt im Museum noch viel größeres Elend zu sehen:

 

Einen Kritikpunkt haben wir jedoch: 

Im Außengelände des Museums sind zahlreiche amerikanische Kriegsgeräte aus den Zeiten des Vietnam-Kriegs ausgestellt.

Wir begreifen diesen Teil der Ausstellung nicht wirklich.

Vielleicht hat man sich aus Sicht der Museums-Kuratoren gedacht, damit Teile der militärischen Geräte zu zeigen, die Ursache für das Leid waren.

Bewirkt hat man damit aber in der Realität, dass sich die Touristen ausgerechnet an diesem Ort des Schreckens und der Trauer massenhaft breit grinsend fürs Selfie vor Panzer und Co. stellen, was schon arg bizarr, um nicht zu sagen pervers auf uns wirkte!

Tja, verstehe einer die Menschen…

Unser Highlight in Ho Chi Minh Stadt schließlich hatte eigentlich rein gar nichts mit Ho Chi Minh Stadt zu tun…

Im Rahmen meines politischen Engagements bin ich nicht nur aktives Mitglied der Grünen, sondern habe mich auch einigen NGOs angeschlossen - sei es als Mitglied oder als Förderer.

Eine dieser NGOs ist die Kinderhilfsorganisation „Terre des hommes“, deren Mitglied ich inzwischen bin.

Wir haben einfach mal per E-Mail beim für Asien zuständigen Teil der Organisation nachgefragt ob es für mich als Mitglied möglich wäre vor Ort einen kleinen Einblick in die Arbeit von Terre des Hommes zu Gunsten von Kindern in Vietnam zu bekommen.

Binnen kürzester Zeit antwortete uns der für Vietnam zuständige Koordinator Dr. The und nahm die Organisation in die Hand.

Und so bekamen wir die Chance gleich zwei von Terre des Hommes geförderte Projekte für benachteiligte Kinder zu besuchen.

Ja, und diese lagen eben rein zufällig in Ho Chi Minh Stadt…

Im Nachhinein betrachtet ein Glücksfall, denn so schenkten uns die vier Tage in Ho Chi Minh Stadt dann eben doch noch ein paar positive Eindrücke.

 

Am Vortag der kleinen Besuchstour stand für uns eine Einkaufstour an.

Wir hatten gleich zu Beginn signalisiert, dass wir nicht mit leeren Händen kommen möchten und so hatte uns Dr. The für die eine Schule ganz schlicht das Mitbringen von Süßigkeiten und für die andere Schule das Mitbringen von ausgewählten pädagogischen Spielzeugen empfohlen.

Also ging es nachmittags auf zweifache Shopping-Tour - einmal in Spielzeugläden und einmal weit einfacher in einen Supermarkt.

Nach Spielzeug hatten wir schon während der Reise immer wieder einmal Ausschau gehalten, aber so wirklich fündig waren wir nicht geworden.

Da traf es sich gut, dass wir auf dem Minibus-Transfer zum Bus nach Can Tho zufällig an einem richtig großen Spielzeuggeschäft vorbeifuhren. Das Smartphone wurde schnell gezückt und bei Google Maps eine Markierung für den Standort des Ladens gesetzt.

Nach der Rückkehr aus Can Tho machten wir uns auf in den Laden und wurden gottlob dort und in einem weiteren auch fündig.

 

Am nächsten Morgen besuchten wir zunächst das Projekt CROM, in dem sich um rund 100 behinderte und autistische Kinder gekümmert wird.

Hier empfing uns Dr. The persönlich und zeigte uns die verschiedenen Bereiche des Projekt.

Bitte habt Verständnis dafür, dass wir hiervon an dieser Stelle (und auch im Vlog) keine Bilder zeigen!

In dem Projekt wird tolle Arbeit geleistet und wir waren Beide positiv überrascht von der Ausstattung (insbesondere auch dem Personalschlüssel) und der Hingabe der Mitarbeiter.

Aber wir bekamen auch so manch Schreckliches zu sehen. Dr. The erklärte uns, dass man davon ausgeht, dass auch heute noch jeder dritte Geburtsfehler auf den Vietnam-Krieg und seine Folgen, sprich vor allem auf den massiven Einsatz chemischer Waffen durch die Amerikaner, zurückzuführen ist.

Wir haben euch ja bereits geschildert wie erdrückend die Fotos im Kriegsopfermuseum waren. Jetzt hier im Projekt einige derartige Fälle real zu sehen... - das war schon hart (für mich vermutlich mehr noch als für Stephie, die beruflich bedingt ja schon so einiges gesehen hat).

Es wäre pietätlos davon etwas zu zeigen...

 

Am Nachmittag des gleichen Tages ging es für uns weiter zum Projekt TANQUY.

Tanquy ist eine Art Stadtteil-Schul-Projekt.

Die Räumlichkeiten des Projekts liegen in einem armen, wenn nicht dem ärmsten, Stadtteil von Ho Chi Minh Stadt.

Viele der Menschen hier sind arm, nicht wenige abhängig von Drogen, viele (auch manche der betreuten Kinder) HIV infiziert.

Insgesamt 100 Kinder aus dem Stadtteil werden hier alternativ zur normalen Schule in den Klassenstufen 1 bis 5 beschult und durch Sozialarbeit ebenso wie ihre Familie auch jenseits der Schule intensiv betreut.

Ein Besuch der normalen Schule scheitert schon an so vermeintlichen Kleinigkeiten wie fehlendem Geld der Eltern für die obligatorische Schuluniform u.s.w..

 

Gleich drei Mitglieder des Leitungsteams bereiteten uns einen tollen Empfang mit Kuchen etc., einem Einführungsvideo, einem Dia-Vortrag und viel Zeit für Gespräche und unsere Fragen.

 

Eine der Klassen, die dritte Klasse, konnten wir dann auch noch im Unterricht besuchen.

Wir waren wirklich beeindruckt und entzückt von den Kindern, die durch die Bank neugierig, zurückhaltend, wohlerzogen und wissbegierig waren.

Sie haben uns ein kleines Loch in den Bauch über Deutschland gefragt...

"Natürlich" wussten die Kinder, dass Deutschland eine große Fußballnation ist, aber vielmehr wussten sie nicht über unser Herkunftsland, wie uns insbesondere die Fragen nach der deutschen Tierwelt zeigten (Gibt es Haie, Löwen, Elefanten etc. in Deutschland!?...)

Eigentlich kein Wunder bei den Karaoke verrückten Vietnamesen... - ein Schüler hat uns sogar ein Ständchen gesungen... Ja, und was für ein passendes für Besuch aus Deutschland:

"Cherry Cherry Lady" von Modern Talking...

Wir hatten wirklich eine tolle Zeit mit den Kindern in der Klasse und ihre Begeisterung für die von uns verteilten Süßigkeiten war schon verdammt schön...

Abschließend hat man uns dann noch mitgenommen zu einem Hausbesuch bei der Familie eines der betreuten Kinder.

Dieser Familienbesuch war ein wunderbarer Abschluss und hat schon wirklich schwer gerührt.

 

Tja, wo soll ich anfangen!?...

Der betreute Junge ist acht Jahre alt. Als er noch ein Kleinkind war, war er oft zum Babysitting bei der Frau, die ihr Zuhause an diesem Tag für uns öffnete und fast mehr gerührt war von dem Zusammentreffen als wir.

Irgendwann hatte die leibliche Mutter der Babysitterin den Jungen in die Arme gedrückt und erklärt, dass sie glaube, der Junge sei bei ihr besser aufgehoben.

Die Frau zögerte trotz eigener Armut keine Sekunde und nahm den Jungen zu sich und jetzt ist der Junge voll und ganz Teil dieser Familie.

Die Familie, das sind aktuell besagte Frau, ihre zwei inzwischen erwachsenen Töchter, der adoptierte Junge und ein Enkelkind (ein zweites war vor nicht allzu langer Zeit an einem Herzfehler gestorben).

Hinzu kommen aktuell an die 20 Katzen.

Schon bis hierhin ist die Geschichte rührend...

Wenn man dann aber auch noch im Zuhause dieser Familie sitzt und durch die räumlichen Gegebenheiten erst so richtig begreift was für ein großer Akt der Nächstenliebe die Aufnahme des Jungen in die Familie war, dann wachsen die Rührung und der Respekt für die Entscheidung der Frau noch.

Das folgende Foto kann das nur ansatzweise beschreiben... - stellt euch eine einfache Garage vor mit einem zweiten, gleich großen, oder besser gleich kleinen, Raum darüber - mehr Fläche bietet das Dach über dem Kopf nicht für die mittlerweile drei Generationen, die hier gemeinsam wohnen. Dazu ist das Ganze ähnlich dunkel wie eine Garage und ganz sicher auch kein Stück besser isoliert.

Es war schon wirklich schwer beeindruckend diese einfachen Verhältnisse und gleichzeitig den Zusammenhalt und das Mit- und Füreinander der Familie zu erleben.

Als wir dem Jungen eine Packung Pringels, ein paar Bonbons und etwas ähnliches wie Hanuta schenkten, war der Junge ein wenig sprachlos und die Frau erklärte uns, dass er tatsächlich noch nie in seinem Leben so reich beschenkt worden sei...

 

Tja, manchmal begreift man für den Augenblick was für ein im Grunde genommen unfassbar privilegiertes Leben man selbst führt und es oft gar nicht zu schätzen weiß...

Ja, und so fand unsere eigentlich enttäuschende Zeit in Ho Chi Minh Stadt einen äußerst schönen Abschluss…

 

Wenn ihr etwas mehr über die Projekte erfahren wollt, habe ich nachfolgend ein paar Links zusammengestellt:

Mekong delta - can tho

Von Ho Chi Minh Stadt aus bietet sich ein Abstecher ins noch recht ursprüngliche Mekong Delta an.

Anlaufpunkt dafür ist die Stadt Can Tho.

Auch wir haben unseren Ho Chi Minh Stadt-Aufenthalt für zwei Übernachtungen im Mekong Delta unterbrochen.

 

Wir können diesen Abstecher wirklich jedem Ho Chi Minh Stadt-Reisenden wärmstens empfehlen.

 

Zwei Gründe werden wohl für jeden fast sofort nach Ankunft greifbar - nach Dauer-Smog ,Gestank und Lärm in Ho Chi Minh Stadt sind Luft und verhältnismäßige Ruhe hier draußen wirklich eine Wohltat; und während man als Fremder in Ho Chi Minh Stadt (wie beschrieben) nur noch willkommene Chance auf ein wenig Geld ist, begegnen einem die Menschen hier draußen wieder mit dieser entwaffnenden Neugierde und Freundlichkeit.

Man kommt aus dem Winken und Hallo rufen gar nicht mehr raus…

 

Unsere Unterkunft lag einige Kilometer außerhalb von Can Tho, was aber überhaupt kein Problem darstellte.

Es war eine weitläufige, gepflegte Anlage mit Bambushütten direkt am Fluss, die man über eine große, satt wackelnde, Hängebrücke erreichte - schöne Natur überall und irgendwie Idylle pur und ein wenig Abenteuer-Feeling.

Die Unterkunft direkt bot die für die Gegend üblichen Touren an und es ist natürlich angenehm quasi aus dem Bungalow heraus das Boot zu besteigen anstatt noch vorab irgendwo hingekarrt werden zu müssen. 

Per kostenloser Fahrräder konnten wir die Gegend auch auf eigene Faust ein wenig erkunden und auch für gutes und günstiges Essen war direkt in der Unterkunft gesorgt.

Keine Frage - wir können diese Unterkünfte wärmstens empfehlen!

Nähere Infos, Fotos und einen Link zum Buchen der Unterkunft findet ihr wie immer hier auf der Homepage unter der Rubrik „Sleep“!

Die Voraussetzungen für zwei tolle Tage im Mekong Delta waren also gegeben.

Leider aber machte uns das Wetter teilweise einen gehörigen Strich durch die Rechnung.

 

Am ersten Tag hatten wir noch Glück.

Die Sonnenuntergangs-Bootstour bescherte uns zwar nicht wirklich einen lupenreinen Sonnenuntergang, aber es war immerhin trocken und schönes Licht gab es zum Schluss doch.

Es war schon beeindruckend vom Boot aus ein klein wenig einen Eindruck vom einfachen Leben der Einheimischen und ihrer Freundlichkeit gewinnen zu können.

Der Mekong sieht hier für unsere Augen schon von seiner dunklen, fast ein wenig braunen, Färbung her wie ein schieres Drecksloch von Fluss aus, massenhaft darauf schwimmender Plastikmüll verstärkt diesen Eindruck noch. Und dann ist es schon abenteuerlich zu sehen, wie die einheimischen Kinder in diesem Fluss planschen oder die Erwachsenen sämtliche Wäsche in diesem Gewässer erledigen - vom Geschirrabwasch, über das Waschen der Wäsche bis hin zur Körperwäsche!

Eigentlich unfassbar…

Ebenso unfassbar ist die aufgedrehte Freude der Kinder bei unserem Anblick - von überall her hallte uns ein freudiges „Hello!“ entgegen, die Kinder winkten emsig, manche hüpften sogar vor Freude.

Während einer Radtour am nächsten Tag ging es uns übrigens ebenso.

Tja, am nächsten Morgen verließ uns das Wetterglück…

Wir waren extra um 5 Uhr morgens aufgestanden um an der Bootstour zu den schwimmenden Märkten teilzunehmen.

Bei entsprechendem Wetter ist das gewiss ein einzigartiges, bleibendes Erlebnis. Bei strömendem  Dauerregen indes fragt man sich ganz schnell warum man sich das frühe Aufstehen angetan hat!

Die Waren auf den zahllosen Marktbooten blieben komplett abgedeckt, das exotisch anmutende übliche rege Treiben zu nachtschlafender Zeit war nicht zu sehen und Regentropfen auf der Linse unterminierten selbst die spärlichen Aufnahmeoptionen vom bescheidenen Rest.

Die eigene Regenschutz-Aufmachung war da fast schon das Highlight…

Schade... Sehr schade...

Wie das manchmal so ist… - kaum war die mehrstündige Bootstour zu Ende, hörte der Dauerregen auf.

Bitter…

Aber immerhin konnten wir so u.a. noch auf Radtour gehen, einfach die Hängematten auf der Terrasse unseres Bungalows ausgiebig genießen und Flora und Fauna in der Anlage ein wenig entdecken.

 

Auch wenn das Highlight buchstäblich ins Wasser fiel - es waren zwei schöne Tage im Mekong Delta…

Hanoi

So ist das manchmal… - Zwei Millionen-Metropolen im selben Land, mit 7,5 respektive 8,5 Millionen Einwohnern sogar sehr ähnlich groß… - und doch sind sie so unterschiedlich, dass einem die eine gefällt und die andere überhaupt nicht…

 

Während uns Ho Chi Minh Stadt, wie weiter oben schon beschrieben, gar nicht gefiel, hat es uns Hanoi durchaus ein wenig angetan.

 

Tja, was gefiel uns so an Hanoi!?...

 

Ganz grundsätzlich müssen wir schon zugeben, dass auch Hanoi laut, arg wuselig und hier und da schmuddelig ist, aber der große Altstadtbereich hat sich doch auch ganz viel Charme erhalten.

In den oft verwinkelten Gassen lässt es sich wunderbar spazieren, man findet immer wieder schöne Ecken und Oasen der Ruhe.

Beispiele gefällig!? - Aber gerne doch:

Über die Altstadt verteilt gibt es kleine, fast ein wenig versteckte, schöne Tempelanlagen, restaurierte Häuser, schöne Hinterhöfe, alte, gut erhaltene Bausubstanz über ganze Straßenzüge hinweg, Kolonialgebäude wie die Oper u.s.w.:

Nicht zu vergessen tolle, idyllische Cafés wie in unserem Beispiel das Café Nola, in dem plötzlich nichts mehr vom hektischen Treiben der Straßen zu hören, zu sehen, zu spüren ist...

Auf dem Foto hält Stephie übrigens auf dem Markt gekaufte Socken stolz hoch...

Es war ja leider unerwartet kühl, worauf wir nicht eingestellt waren und was deshalb den Socken-Kauf nötig macht...

 

Ich denke, schon die bisherigen Fotos zeigen, dass es einfach ein schönes Erlebnis sein kann sich einfach durch die Gassen und Straßen von Hanoi treiben zu lassen, einfach die Eindrücke aufzunehmen und auf Entdeckungstour auch jenseits der großen touristischen Anziehungspunkte zu gehen.

Auch wenn es der Verkehr und der Zustand der Straßen an vielen Stellen nicht immer leicht macht als Fußgänger bequem unterwegs zu sein:

 

Hanoi ist auf irgendwie ideale Weise modern und ursprünglich zugleich.

 

Auf der einen Seite macht man große Augen, weil es Vietnam pur zu sehen gibt - (oft alte) Frauen, die mit der so typisch vietnamesischen Kopfbedeckung bekleidet auf ihren Schultern schwere Lasten tragen, traditionellen Gesang und Tanz auf dem Nachtmarkt oder eben (leider) auch Hunde zum Essen:

Auf der anderen Seite aber auch z.B. eine aufgeschlossene, moderne, westlich-orientierte Jugend und ähnliches:

Auch wenn ich eben schrieb, dass es einfach Spaß macht in Hanoi einfach so los zu laufen... - ein paar Plätze möchte ich natürlich trotzdem noch ausdrücklich hervorheben...

Die Train-Street

Mehrmals am Tag brettert ein Zug mitten durch die Stadt und dabei auch durch eine sehr enge, von einfachen Wohnunterkünften und Cafés gesäumte Gasse - die Train Street.

Schon der Anblick der intakten Schienen in dieser engen Straße und das auf ihnen entlang Spazieren ist ein kleines Erlebnis und ein Muss für jeden Hanoi-Besucher.

Ein echtes Highlight wird das Ganze, wenn man das Glück hat in der Straße zu sein, wenn der Zug tatsächlich angerattert kommt.

Uns war dieses Glück dank eines Café-Betreibers vergönnt.

Wir hatten zunächst entspannt in einem anderen Café gesessen, letztlich aber vergebens auf den Zug gewartet.

Als wir weiter gingen grüßte uns der junge Betreiber eines anderen Cafés, kaum 150 m weiter, und erzählte uns zu welcher Uhrzeit der Zug als nächstes kommen würde.

Das Ganze war zwar noch gut 90 min. hin, aber irgendwie wollten wir uns das kleine Spektakel nicht entgehen lassen.

Wir überbrückten die Zeit mit Sightseeing in der näheren Umgebung und fanden uns dann sehr zur Freude des jungen Café-Betreibers rechtzeitig wieder in der Train-Street und seinem Café ein.

In den meisten Cafés der Train Street sitzt man auf Plastik-Hockern direkt an den Schienen - so auch hier.

Rechtzeitig bevor der Zug kommt, wird man dann informiert und muss sich hinter eine immer noch sehr nahe an den Schienen befindliche rote Linie zurückziehen.

Einige wenige Minuten vergingen dann noch und dann war es soweit - dann konnte man sein Kommen zunächst hören und dann sehen und so nah an den Schienen erleben und spüren.

Coole, nicht alltägliche Sache!

Witzig auch zu sehen, wie das normale Leben sofort nach dem Verschwinden des Zuges wieder seinen Gang geht - die Stühle der Cafés werden wieder hingerückt, ein Anwohner stellte seinen Kochtopf u.s.w. mitten auf die Schienen u.s.w....

Die Street Art-Mauer

Unterstützt u.a. von der UNO und Südkorea ist gar nicht weit entfernt von der Train Street an einer langgezogenen Mauer ein richtig schönes Stück Street Art entstanden.

Wir mögen (gute!) Street Art ja ohnehin, aber das hier dürfte auch Menschen gefallen, die sonst nicht so viel mit Street Art am Hut haben.

Die Bilder sind nur ein kleiner Auszug der vielen Wandgemälde dort:

Literatur-Tempel

In wohl jedem Reiseführer findet sich ein Hinweis auf den "Literatur-Tempel".

Das Ganze liegt ziemlich zentral in der Stadt und ist eine schöne, gepflegte Anlage voller alter Gebäude, Gärten, Pflanzen u.s.w..

Oft haben wir mit vermeintlichen "Must See-Plätzen" ja so unsere Probleme, sprich können nicht wirklich nachvollziehen warum man sich nun ausgerechnet dieses oder jenes Plätzchen unbedingt anschauen sollte.

Die von diesem Must See-Faktor angezogenen Menschenmassen tun oft ein übriges.

Im Falle des Literatur-Tempels erschloss sich der Reiz aber tatsächlich auch mal uns und die Menschenmassen hielten sich zum Glück auch halbwegs in Grenzen.

Die umgerechnet 1,13 Euro pro Person (zu unserem Reisezeitpunkt so etwas wie der Standard-Eintrittspreis für viele der Sehenswürdigkeiten) sind auf jeden Fall gerechtfertigt.

Ehemaliges Gefängnis - Maison Centrale

Kein unbedingter Must See-Platz ist das einst von den französischen Kolonialherren betriebene Gefängnis für politisch Gefangene.

Was aber nicht heißen soll, dass es keinen Abstecher wert wäre.

Gerade an einem eher verregneten Tag, wie in unserem Falle, ist ein Gefängnisbesuch durchaus eine willkommene und sinnvolle Alternative.

Die harte Regentschaft und schlimmen Bedingungen von dereinst werden bis hin zur Guillotine recht eindrücklich veranschaulicht.

Lotus Water Puppet Theater

An vielen Orten in Vietnam findet sich ein Spielort für die alte Kunst des Wasser-Puppen-Theaters.

Die Puppen, die Geschichten, die Musik - all das ist im Zweifelsfall überall gleich. Na ja, kein Wunder - es ist eine alte Tradition.

Wir liefen schlussendlich rein zufällig am Lotus Water Puppet Theater in Hanoi vorbei und angesichts des geringen Preises (3,75 Euro pro Person) und keiner weiteren Pläne an diesem späten Nachmittag entschieden wir uns für einen Besuch.

Wir haben es nicht bereut!

Natürlich mag es Nörgler geben, die das zu touristisch finden, aber wir empfanden es als nette Abwechslung und schon doch ein reelles kleines Eintauchen in die Tradition dieser vietnamesischen Kunstform.

Cat Ba und die Halong Bucht

Ganz am Anfang unserer Planung dieser Reise hatten wir die Idee tatsächlich für zwei Nächte/drei Tage eine kleine Kreuzfahrt durch die Halong Bucht zu machen.

 

Aber irgendwie überkam uns bei der konkreteren Beschäftigung damit und der Auswahl des passenden Schiffes doch schnell ein ganzes Bündel an Skepsis.

Na ja…

Erstens stellte sich uns je näher wir dem Buchungsvorgang kamen die Frage ob wir und Kreuzfahrt wirklich zwei Dinge sind, die zueinander passen - uns von hinten bis vorne bedienen lassen, bei jedem Essen den Tisch mit den gleichen, letztlich aufgezwungenen, Mitreisenden teilen, das Ganze von A bis Z etwas, ja, glatt, geleckt, versnobt… - eigentlich alles nichts für uns. Ganz abgesehen davon, dass der Boom der Kreuzfahrt-Industrie ein Desaster fürs Klima ist und schon deshalb fast mehr noch als das Fliegen abzulehnen ist.

Zweitens wurde mehr und mehr klar, dass der Dezember grundsätzlich zwar ein idealer Reisemonat für Vietnam ist, es in der Halong Bucht jedoch häufig regnet und Sonne nicht gerade üblich ist.

Drittens erschreckten uns die allgegenwärtigen Bilder im Internet von einer mit Schiffen geradezu, mit Verlaub, zugeschissenen Halong Bucht.

Grundsätzliche Skepsis gegenüber Kreuzfahrten, eher trübe Wetteraussichten und Hinweise auf üblen Massentourismus… - das alles kombiniert mit viertens dem satten Preis für so eine Kurz-Kreuzfahrt mit zwei Übernachtungen (minimum ca. 450 Euro hätte der Spaß gekostet!) führten dann schließlich doch recht schnell dazu, dass wir uns gegen eine Kreuzfahrt entschieden.

 

Alternativ entschieden wir uns für 2 Nächte auf der Insel Cat Ba, die so etwas wie das Tor zur Halong Bucht ist, und einer Tages-Bootstour in die Bucht von dort aus.

 

Schlussendlich wissen wir natürlich nicht wie uns so eine besagte Kreuzfahrt gefallen hätte, aber nach den 2 Tagen auf Cat Ba und dem ganztägigen Bootsausflug hatten wir auf jeden Fall das Gefühl alles richtig gemacht zu haben.

 

Den nicht unwichtigen Faktor Wetter hatten wir richtig eingeschätzt - die Sonne zeigte sich während unserer Tage auf der Insel im Grunde genommen überhaupt nicht, es war zeitweise arg frisch und mehr oder weniger während des gesamten Bootsausflugs regnete es z.T. heftig.

Keine Frage, wenn wir fast 500 Euro für eine kalte, verregnete, mangels Sonnenlicht kaum schöne Impressionen bietende, Kreuzfahrt ausgegeben hätten, dann wären wir satt gefrustet gewesen.

 

So jedoch, hatten wir trotz schlechtem Wetter eine richtig gute Zeit auf Cat Ba und in der Halong Bucht.

 

Manchmal gehört halt auch etwas Glück dazu - zufällig hatten Iri und Matias aus Finnland, die auch in unserem Homestay wohnten, die gleiche Bootstour gebucht und ebenso zufällig landete ein junges Paar aus Spanien an unserem Sechser-Tisch während der Bootsfahrt.

Wir Sechs verstanden uns super und schon allein deshalb machte die Bootsfahrt mehr Spaß.

Das Wetter hingegen machte es uns alles andere als leicht Spaß auf der Tour zu haben.

Teil der Tour war die Möglichkeit ein wenig auf eigene Faust per Kajak einen wunderschönen Abschnitt der Bucht zu erkunden - exakt während dieser Zeit schüttete es wie aus Kübeln!

Irgendwie war das ganz schön scheiße und man mochte gar nicht daran denken wie wunderschön die Eindrücke hätten sein können, wenn die Sonne geschienen hätte.

Aber irgendwie…, irgendwie war die Kajak-Tour trotz dieser Widrigkeiten ein echtes Highlight.

 

Da es zudem an diesem Tag verhältnismäßig kalt war, war man froh als die nassen Klamotten ausgezogen waren und man langsam wieder halbwegs Wohlfühltemperatur erreichte.

 

Nach dem wider Erwarten wirklich guten Mittagessen (auch für uns Vegetarier war gut gesorgt), gab es alsbald die Option Baden und Schnorcheln zu gehen.

Nun ja, nicht einmal jeder Fünfte an Bord nutzte die Option - die Aussicht sich die noch nassen Badeklamotten wieder anzuziehen und danach wieder von Neuem zu frieren war in der Tat alles andere als verlockend.

Von unserem Tisch indes nutzten immerhin 50 % die Chance - Matias, Iri und ich sprangen ins kühle Nass (das sich übrigens etwas wärmer anfühlte als die Luft!). 

Iri war die einzige Frau im Wasser. Als ich sie für diese „Tapferkeit“ lobte, hatte sie eine logische Relativierung parat: „Well, I’m a girl from Finland!“ Tja, das ist wohl was dran.

Auch die kleine Schwimmrunde hat trotz der Widrigkeiten (es war nicht nur kalt, sondern regnete auch schon wieder leicht) Spaß gemacht. Das Schnorcheln allerdings konnte man sich schenken, allein schon durch das fehlende Sonnenlicht war unter Wasser schon die eigene Hand kaum mehr zu erkennen.

Erst auf der letzten Etappe der Bootstour hatten wir dann etwas Wetterglück.

Kurz vor dem Anlegen vor Monkey Island sagte uns der Bootsführer noch, dass die Klettertour zum Aussichtspunkt aufgrund des vielen und andauernden Regens ausfallen müsse - zu rutschig, zu gefährlich.

Kaum hatten wir Land betreten hörte der Regen jedoch auf und der Bootsführer gab spontan doch grünes Licht für die kleine Klettertour.

Ja, und die wurde etwas unfreiwillig zu einem kleinen Abenteuer, denn eine kleine Gruppe, inkl. uns und dem sehr netten 68jährigen Inder Edi, verlor irgendwie die Vorhut aus den Augen und landete schließlich ganz woanders auf der Insel.

Kurz machte sich etwas Ratlosigkeit breit. Scherzhaft wurde an die Serie „Lost“ erinnert…

Schließlich entschieden wir uns gemeinsam in den sauren Apfel zu beißen und den recht beschwerlichen Weg komplett zurück zu klettern. 

Ja, und am Startpunkt wartete bereits das letzte Beiboot um uns zurück zum Schiff zu bringen - alles gut gegangen und die kleine Dschungel-Klettertour wird so vielleicht sogar noch ein wenig mehr in der Erinnerung bleiben.

Tja, unterm Strich wird dieser Reisetag für uns ein unvergesslicher Tag bleiben… - und das trotz der widrigen Bedingungen.

 

Recht schöne Impressionen gab es selbst bei der grauen Tristesse dieses Tages:

Aber wie eben schon geschrieben… - etwas wehmütig grübeln wir darüber nach wie schön diese einmalige Inselwelt wohl bei Sonnenschein aussehen mag…

 

Am gleichen Abend organisierten die Besitzer unseres Homestay ein Family Dinner, d.h. sie verwöhnten uns und alle anderen Gäste mit vietnamesischem Essen.

An der einen Hälfte der langen Tafel saßen Matias und Iri aus Finnland und wir - also vier Personen, an der anderen Hälfte saßen ein Paar aus Polen und ein Paar aus Südafrika mit ihrem jugendlichen Sohn - also sogar fünf Personen.

Wow… - die Bootsfahrt muss eine ganz schöne Anstrengung gewesen sein, denn während die Teller und Schüsseln auf der Seite von uns vier Bootsfahrern schon längst leer gefegt waren, waren sie bei den anderen Fünf noch halb voll.

Na ja, dafür langte die andere Hälfte des Tisches beim ebenfalls bereitgestellten Reiswein (übles Gesöff - eher Schnaps als Wein) weit kräftiger zu als wir Vier…

So oder so - das Family Dinner rundete den denkwürdigen Tag perfekt ab.

Iri und Matias wurden so etwas wie kurzzeitige Reise-Freunde.

Am folgenden Tag mieteten wir uns gemeinsam zwei Roller und erkundeten die Insel.

Ein paar schöne Eindrücke lieferte auch die Insel an sich, aber leider war es übel kalt und insbesondere uns beiden Fahrern (Matias und mir) blies ein unangenehm kalter Wind ins Gesicht. 

Na ja, und so landeten wir schon nach gar nicht allzu langer Zeit beim gemeinsamen Mittagessen und freuten uns glatt über das kostenlos bereitgestellte warme Wasser (ja, richtig gelesen - in Asien bekommt man oft warmes Wasser als Getränk gereicht).

Tja, auch schön…

 

Cat Ba und die Bucht haben uns wirklich gut gefallen. 

Wenn ihr mal im Norden von Vietnam unterwegs sein solltet, sind Cat Ba und die Halong Bucht ein Muss!

Phong Nha Nationalpark

Die Region des Phong Nha Nationalparks ist eine recht abgelegene Ecke im nördlichen Vietnam.

Die Besucher zieht es vor allem wegen gleich mehrerer Höhlen hier her.

 

Unter anderem gibt es die wohl größte Höhle der Welt zu sehen - die Son-Doong-Höhle (Bergfluss-Höhle).

Ein Besuch hier ist aber eine unglaublich kostspielige Angelegenheit. Man kann das Höhlensystem nur im Rahmen einer geführten, gleich mehrtägigen Tour, oder vielleicht besser Expedition, mit allem Schnick-Schnack besichtigen. Die Zahl der Besucher ist limitiert und so kostet das Abenteuer mal so eben mehrere tausend Euro!

Kein Wunder also - in dieser Höhle waren wir nicht...

 

Uns zog es vielmehr in die anderen beiden berühmten Höhlen der Region.

 

Zum einen in die Paradise Cave und zum anderen in die Phong Nha Cave.

Zwei Höhlen nacheinander am gleichen Ort!? - Klingt langweilig!? - Hm, ist es aber nicht, denn die beiden Höhlen sind doch sehr unterschiedlich.

Die Paradise-Cave ist sehr groß und langgezogen - auf Stegen durchschreitet man das Höhlensystem auf eigene Faust.

Wie das bei Höhlen so ist... - die wahre Pracht erschließt sich nur vor Ort und kann via Film oder Foto einfach nicht eingefangen werden!

Ein paar Impressionen möchten wir natürlich trotzdem zeigen:

Die Phong Nha-Höhle indes erreicht man nicht nur ausschließlich per Boot, sondern man erkundet sie zunächst auch per Boot.

Wir sind recht früh morgens zur Höhle aufgebrochen und hatten so das Glück noch fast die Einzigen in der Höhle zu sein.

Und mindestens dann entfaltet diese Höhlen-Tour ihren ganz eigenen Reiz - es ist schon etwas Besonderes im Halbdunkel geräuschlos auf dem Wasser durch die Höhlenwelt zu gleiten.

Am Ende wird man dann in der Höhle an Land entlassen und hat noch Zeit um sich den begehbaren Teil der Höhle und einen kleinen Tempel mit Aussicht außerhalb der Höhle anzuschauen.

Außerhalb der Höhle wartet dann geduldig der Bootsführer um einen zurück in den Ort zu schippern.

(Tipp: Der Preis fürs Boot ist immer der gleiche - egal ob man allein oder zu Acht an Bord ist. Es lässt sich also einiges an Geld sparen, wenn man sich Leute sucht, mit denen man sich das Boot teilt.

In unserem Falle wurden wir von drei Jungs aus Europa freudig in Empfang genommen als wir recht frühmorgens mit den Leih-Fahrrädern aufs Gelände fuhren.).

Aber auch jenseits der beiden Höhlen entfaltet die Region einiges an idyllischer Schönheit.

Unsere Unterkunft (wie immer findet ihr unter der Rubrik "Sleep" auf dieser Homepage weitere Infos und einen Link zum Buchen!) war dafür ideal... - unser Bungalow lag direkt am Flussufer mit wundervoller Aussicht und direkt in der Unterkunft konnte man kostenlos Fahrräder oder gegen einen geringen Preis Motorroller leihen um die Gegend zu erkunden.

Shit happens übrigens - unser Leih-Motorroller gab leider mitten im Nirgendwo den Geist auf. Unangenehme Sache, zumal es nach einer Weile auch noch zu nieseln begann. Aber es fand sich eine Lösung - wir riefen in der Unterkunft an und nach einer ziemlichen Weile kam der Besitzer mit seinem Pick Up und einem Ersatzroller auf der Ladefläche angerauscht...

Hue

Hue hatte es bei uns nicht ganz leicht... - es war einfach der Ort, an dem wir zufällig waren, als es für uns irgendwie höchste Zeit für besseres Wetter auf der Reise wurde.

Diese Hoffnung konnte Hue leider nicht erfüllen. Im Gegenteil - zeitweise regnete es leider ziemlich kräftig.

Ja, und so taten wir uns ein klein wenig schwer mit Hue...

 

Die meisten Besucher zieht es aus geschichtlichen Gründen nach Hue.

Hue ist ehemalige Hauptstadt von Vietnam und vor allem auch ehemalige Kaiserstadt.

 

Etwas außerhalb gelegen gibt es gleich zwei Anlagen mit Kaisergräbern.

Wir waren bei einer davon (auch noch bei der, die angeblich das lohnendere Ziel ist) und waren enttäuscht.

Es tummelten sich zwar reichlich Touristen auf dem kleinen Gelände und das Gebäude von außen und die Aussicht waren auch ganz nett.

Die drei folgenden Bilder schauen ja auch irgendwie ganz nett aus, oder!?

Aber in gefühlt 15 Minuten hat man wirklich alles gesehen und dafür lohnen sich der Weg da raus und die verhältnismäßig teuren 3,75 Euro Eintritt pro Person einfach nicht.

 

Nein, da lohnen sich die rund 5,70 Eintritt für die Zitadelle weit mehr - für nur gut 2 Euro mehr bekommt man hier genügend für mehrere Stunden geboten!

Und das auch noch schön zentral mitten im Herzen der Stadt...

 

Mitten im Herzen von Hue liegt sie... - die gewaltige Anlage der Zitadelle inkl. der "Verbotenen Stadt".

Leider hat es während unseres Besuchs dort immer stärker angefangen zu regnen, was die Eindrücke natürlich deutlich trübte.

Trotzdem lohnte sich der Besuch für unser Empfinden selbst unter diesen etwas widrigen Umständen.

 

Die Weitläufigkeit der Anlage sorgt zum Glück dafür, dass sich die Menschenmassen nicht groß aufstauen - man kann sich schon weitgehend alles in Ruhe anschauen, entspannt durch die Gärten flanieren und die ruhige Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Gut, vielleicht war es auch dem Regenwetter geschuldet, dass nicht ganz so viele Touristen an dem Tag zur Zitadelle strömten... Das können wir natürlich nicht beurteilen...

 

Vieles in der Anlage ist nicht zuletzt durch den Vietnam-Krieg zerstört, anderes ist gut erhalten. Die Gärten sind zum Teil wirklich schön angelegt - man kann sich hier ohne Weiteres mehrere Stunden aufhalten.

Und bei Sonnenschein dürfte alles noch einmal ungleich schöner aussehen...

Unser Highlight in Hue (ok, auch weil das Wetter da ausnahmsweise mal in Hue wunderbar mitspielte) war jedoch ein etwas außerhalb liegender Geheimtipp...

 

So ganz stimmt die Bezeichnung als "Geheimtipp" für diesen Lost Place sicherlich nicht mehr, denn zumindest in Blogs und Vlogs wird fleißig darüber berichtet.

Wir haben uns deshalb extra recht früh am Morgen auf die Räder geschwungen und wurden nicht enttäuscht - neben uns waren an diesem Vormittag kaum mehr als 10 weitere Menschen auf dem weitläufigen Areal unterwegs.

Das war ideal, denn für einen Lost Place oder verwunschenen Orten gäbe es natürlich nichts tödlicheres als Menschenmassen...

 

Ihr fragt euch langsam von was für einem geheimnisvollen Platz ich hier berichte!?...

Nun, das ist schnell erklärt... - 2004 eröffnete einige Kilometer außerhalb von Hue ein Wasser-Vergnügungspark seine Pforten, nur um kurze Zeit später schon wieder geschlossen zu werden.

Ein Millionen-Grab...

Um einen See herum, umgeben von Wäldern, hatte man weniger als eine Handvoll Attraktionen gebaut und hoffte damit auf das große Geld.

Idyllisch gelegen ist das Ganze, aber eigentlich war es zum Scheitern verurteilt. Keine Ahnung warum die Investoren das nicht haben kommen sehen...

Das hätte jedem klar sein müssen... - die viel zu wenigen Attraktionen lagen z.B. viel zu weit auseinander.

 

Anyway, nicht unser Problem...

Dieses Planungsdesaster schenkt uns Reisenden nun immerhin einen Lost Place.

 

Etwas mehr als 10 Jahre nach der Schließung hat sich die Natur das Areal bereits deutlich zurückgeholt und die Verwitterung  und hier und da sicher auch mutwillige Zerstörung haben deutliche Spuren hinterlassen.

Es ist schon etwas Besonderes durch das zerstörte, aber noch erkennbare Aquarium zu laufen, die Wasserrutschen zu sehen, die gut erhalten langsam mehr und mehr im Dickicht verschwinden, hinter der Tribüne auf einen verwitterten Tresor zu stoßen oder in den Kopf des steinernen Drachens mitten auf dem See zu steigen.

Man denkt filmisch an "Jurassic Park" oder irgendwie auch "The Walking Dead"...

Es lohnt sich!

Auch wenn es etwas tricky ist überhaupt rein zu kommen...

In Blogs und Vlogs gibt es unterschiedlichste Informationen - bis hin zur Info, dass man inzwischen gar nicht mehr rein kommt.

Wir waren Mitte Dezember 2018 da und bei uns stellte es sich wie folgt dar:

Frühmorgens war das Haupttor, wie nicht anders erwartet, verschlossen.

Kein Wunder - rein offiziell ist der Park ja auch ohne wenn und aber zu...

 

Deshalb entschieden wir uns dafür die Fahrräder einfach über den Zaun zu heben und so inkl. Fahrrad aufs Gelände zu kommen.

Weniger hundert Meter später kam uns ein Wachmann auf seinem Roller entgegen und verwies uns wild gestikulierend des Platzes.

Witziger Weise zeigte er uns aber gleichzeitig auch an, welche Richtung wir alternativ wohl einschlagen sollten.

Wir folgten der von ihm gezeigten Richtung und mit Hilfe von mehreren Einheimischen, die uns von sich aus ebenfalls die Richtung wiesen, standen wir 10 oder 15 Minuten später tatsächlich auf dem Gelände des Parks und konnten mit der Erkundung beginnen...

 

Wir trafen im Verlaufe des Vormittags noch mehrfach auf diesen Wachmann, er hat aber nie Geld von uns verlangt, d.h. wir hatten das Vergnügen komplett kostenlos.

Andere, auch uns persönlich bekannte, Reisende mussten und müssen an die Wachleute einen kleinen Eintritt abdrücken.

Das ist wohl ein wenig Glückssache und gehört irgendwie zum Abenteuer dazu...

Lasst euch von den Schwierigkeiten beim Finden und dann aufs Gelände gelangen nicht abschrecken!

Hoi An

Ja, und last but not least kommen wir zu Hoi An...

 

Hoi An liegt vermutlich auf der Reiseroute fast jeden Vietnam-Besuchers.

Irgendwie waren wir trotzdem im Vorwege nicht übermäßig skeptisch - unsere Angst vor einem weiteren Flop in Sachen "Orte, die angeblich jeder gesehen haben muss, die wir aber partout gar nicht besonders finden" hielt sich in Grenzen.

 

Und unser Gefühl hat uns nicht getrügt...

Auf der einen Seite ist Hoi An tatsächlich ziemlich voll von Touristen und darauf abgestimmt an vielen Ecken durch und durch touristisch.

Doch Hoi An gelingt das seltene Kunststück sich trotz heftiger Touristenzahlen und einer gewissen Öffnung für den Massentourismus seinen ganz eigenen Charme zu bewahren und dem Ansturm mit Stil zu begegnen.

 

Anders formuliert... -

Ja, manchmal ist es in dem kleinen Städtchen arg voll (insbesondere in den Abendstunden rund um dem Fluss)...

Ja, das Warenangebot ist in Teilen auch ramschig und die Versuche einen zu einer Bootstour etc. zu überreden können lästige Ausmaße annehmen...

Aber...

Aber trotzdem ist Hoi An ein bezauberndes Meer aus Farben (insbesondere dem vorherrschenden Gelb-Ton)!

Und dieser Zauber entfaltet sich bei Tag:

Und bei Nacht:

Für uns war Hoi An ein ganz besonderer Ort und für die Asiaten ist er das wohl auch, denn anders ist wohl kaum zu erklären, dass insbesondere asiatische Frauen sich regelrecht zurecht machen um durch die Stadt zu flanieren:

Ja, irgendwie erinnerte uns Hoi An an Venedig...

Beide Orte... - gnadenlos ihrem touristischen Schicksal ausgeliefert und doch dabei in ihrer Einzigartigkeit ehrwürdig und wunderschön...

 

Hoi An sollte sich niemand entgehen lassen, der Vietnam bereist.

Man muss nicht viele Tage einplanen für Hoi An, aber man sollte es nicht auslassen.

 

Das Umland von Hoi An ist landwirtschaftlich geprägt und lässt sich prima per Fahrrad erkunden.

Auch dabei entstehen mitunter schöne Eindrücke...

Nur einen Ausflug an die Strände in der Nähe kann man sich getrost sparen - mehr dazu im Hoi An-Vlog...

Tja, und damit sind unsere 3 Wochen in Vietnam schon ganz gut zusammengefasst.

 

Was kann ich abschließend schreiben!?...

 

Vietnam hat uns eigentlich nur in Sachen Wetter enttäuscht!

Und diese Enttäuschung lag nicht an einer Fehleinschätzung unsererseits, denn immer wieder bestätigten uns Einheimische, dass der Dezember eigentlich der ideale Reisemonat für Vietnam ist.

Tja, ein wenig Pech gehabt...

 

Jenseits des Wetters aber hat uns Vietnam ein gutes Stück weit im Sturm erobert!

 

Der Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das Essen (inkl. dem wunderbaren Kaffee) u.s.w. - vieles gestaltete sich reibungsloser und besser als erwartet.

 

Anno 2018 ist Vietnam für uns einfach an einem sehr guten Punkt in Sachen Tourismus.

 

Auf der einen Seite ist fast überall noch Vietnam pur zu erleben, auf der anderen Seite gibt es für den westlichen Touristen aber schon genügend Möglichkeiten um nicht auf ein gewisses Maß an Komfort, sinnvoller Organisation, lieb gewonnener Vorlieben (Kaffeehaus-Besuche etc.) verzichten zu müssen.

Obwohl sich das eigentlich ja kommunistische Land mehr und mehr dem westlichen Lebensstil und damit auch dem Tourismus öffnet, ist es in all seinen Eigenarten noch greifbar und die Auswüchse des Massentourismus halten sich noch in Grenzen.

 

Vietnam bereisen heißt aktuell also auf wenig verzichten zu müssen und doch ein Land erleben zu können, dass sich noch viel von seinen Eigenheiten und Traditionen bewahrt hat.

Ach, und dazu noch die Freundlichkeit der Menschen... - Vietnam sei euch ans Herz gelegt...

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